ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2003Koronare Bypass-Chirurgie: Off-pump-Technik ist nicht überlegen

AKTUELL: Akut

Koronare Bypass-Chirurgie: Off-pump-Technik ist nicht überlegen

Dtsch Arztebl 2003; 100(8): A-437 / B-381 / C-361

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Bypass-Chirurgie ohne Herz-Lungen-Maschine am schlagenden Herzen (Off-pump-Technik) führt zu vergleichbaren Ergebnissen wie die konventionelle Operationsmethode mit extrakorporaler Zirkulation. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die Peter de Jaegere und Mitarbeiter (Universität Utrecht) im New England Journal of Medicine (2003; 348: 394–402) veröffentlicht haben. Allerdings: Den Autoren kann ein Interesse an einem positiven Ausgang der Studie unterstellt werden, da an der Klinik für die Technik ein so genannter Stabilizer („Octopus“) entwickelt worden ist, an dessen Vermarktung die Universität verdient. An der multizentrischen Studie nahmen 281 Patienten mit Ein- und Zweigefäßerkrankung und einer stabilen oder instabilen Angina (Braunwald Klassen IB oder IIB) teil, die ein niedriges Operationsrisiko haben. Primärer Endpunkt war ein Composite aus den folgenden Ereignissen: Tod aus beliebiger Ursache, Schlaganfall, Herzinfarkt, erneute Revaskularisation (Operation oder Angioplastie). Hier gab es nach einem Jahr keine signifikanten Unterschiede (konventionell 90,6 Prozent, Off-pump 88,0 Prozent). Auch hinsichtlich der Durchgängigkeit der Bypässe gab es keine Unterschiede.

Einziger erkennbarer Vorteil waren die geringeren Kosten der Off-pump-Technik. Die Gesamtkosten (Krankenhauskosten plus ein Jahr Nachbetreuung) betrugen 14 908 US-Dollar für die konventionelle Methode und 13 069 US-Dollar für die Off-pump-Technik, was einer Einsparung von 14,1 Prozent entspricht. Eric Rose von der Columbia-Universität in New York gibt in einem Perspektive-Artikel (2003; 348: 379–380) eine zurückhaltende Einschätzung ab.

Die Studie zeige „den potenziellen klinischen Wert“ der Off-pump-Technik bei Patienten mit geringem Operationsrisiko. Es fehle aber der letzte Beweis der Überlegenheit zur konventionellen Technik. Nach seiner Meinung war die Studie nicht groß genug, um einen Vorteil hinsichtlich Mortalität und Komplikationsrate zu belegen. Es fehle auch ein Vergleich zu Patienten mit hohem Risiko, für die die Bypass-Operation in erster Linie infrage komme. Für Patienten mit niedrigem Risiko ist die Angioplastie eine attraktive Therapiealternative. Rose will vor einer abschließenden Beurteilung eine Analyse der Krankenregister der Herzzentren abwarten. Erst dann stünden ausreichend Daten zur Verfügung. Rüdiger Meyer
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