ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2003Ärztegesundheit: Thema war längst überfällig

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Ärztegesundheit: Thema war längst überfällig

Dtsch Arztebl 2003; 100(8): A-468

Köbel, Werner

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LNSLNS Aufgrund meiner zahlreichen Behandlungen von Kolleginnen und Kollegen kann ich sagen, dass Ärzte/Ärztinnen sich bei persönlichen und beruflichen Schwierigkeiten überdurchschnittlich schwer tun, sich ihre Hilfsbedürftigkeit zuzugestehen. Oft im Gegensatz zu der großen Sorgfalt ihren Patienten gegenüber behandeln sie ihre eigenen Beschwerden und Probleme oft so, als seien sie Experten auf allen Fachgebieten. Solche Selbstbehandlungen münden nicht selten in einen selbstschädigenden Circulus vitiosus.
Auch wenn ich nur den beruflichen Bereich betrachte, der mir aus meiner Tätigkeit als Supervisor sowie aus der Beratung von Organisationen und Führungskräften zugänglich ist, so fällt mir auf, dass Ärzte – vielleicht mit Ausnahme der in den so genannten Psychofächern tätigen Kolleginnen und Kollegen – im Vergleich zu anderen Berufsgruppen bei beruflichen Problemen nur selten und erst relativ spät Unterstützung suchen. Das verwundert insofern, als Ärzte den durch die ökonomischen Zwänge und den schnellen wissenschaftlichen Fortschritt bedingten Veränderungsprozessen sicher nicht weniger ausgesetzt sind als Angehörige anderer Berufsgruppen. Die dafür nötigen Veränderungen und Anpassungsleistungen erfordern vielfach einen derart starken Wandel des Selbstverständnisses in der erlernten Rolle als Arzt, der ohne professionelle Hilfe nicht zu leisten ist bzw. auf Kosten der Gesundheit geht.
Dr. med. Werner Köbel, Rothaarklinik, 57319 Bad Berleburg
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