ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2003Du hättest leben können
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Erfahrungsbericht
Anrührend
Stefanie Bachstein: Du hättest leben können. Erfahrungen. Bastei Lübbe Taschenbuchverlag, Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch Gladbach, 2002, 269 Seiten, broschiert, 7,45 €
Das Buch ist das anrührende und aufregende Dokument des Trauerweges, den die unter einem Pseudonym schreibende Autorin nach dem Tod ihrer siebenjährigen Tochter zurückgelegt hat: Jule wird auf dem Schulweg von einem Auto erfasst. Noch im Rettungswagen stirbt sie – nicht an den erlittenen Verletzungen, sondern weil die Notärztin sie falsch intubiert hat.
Mit großer Ehrlichkeit beschreibt die Mutter den schwierigen Prozess ihrer Verarbeitung dieses tragischen Geschehens. Hilfreich sind ihr dabei ihr Glaube, ihr persönlicher Mut und die Erfahrungen einer Seelsorgeausbildung und einer längeren Tätigkeit als ehrenamtlicher Klinikseelsorgerin sowie eine gute psychothe-rapeutische Begleitung. In ihrem Bemühen, sich von der bedrückenden Last des Schrecklichen zu befreien und aus dem Tod ihres Kindes Gutes erwachsen zu lassen, sucht sie das Gespräch mit der jungen, hinter ihrer Maske sehr betroffenen Ärztin und reicht ihr versöhnlich die Hand. Unbeirrt und mit Erfolg setzt sie sich mit Ärzten auseinander, die den Mythos der Unfehlbarkeit vertreten, mit Politikern, die opportunistisch die Wahrheit verdrehen, und vor allem mit der Versicherung, die nur darauf aus ist, Zahlungen zu vermeiden.
Viel Verständnis für die in ihren Systemen Gefangenen spricht aus den letzten Sei-ten dieses Erfahrungsberichts, dem man einen großen Le-serkreis, insbesondere auch von Medizinstudenten, Ärzten, Versicherungsleuten und Juristen, wünscht.
Hans-Joachim Wachsmuth

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