ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2003Pränataldiagnostik – Verantwortliche ärztliche Tätigkeit im Grenzbereich: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Pränataldiagnostik – Verantwortliche ärztliche Tätigkeit im Grenzbereich: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(8): A-494 / B-425 / C-402

Kainer, Franz

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LNSLNS Ein zahlenmäßiges Aufrechnen von pränatal behandelbaren Erkrankungen gegen Fälle mit Beendigung der Schwangerschaft bei Trisomie 21 ist nicht zielführend. Das würde bedeuten, dass ein „Aufspüren“ und „Beseitigen“ von Feten mit Trisomie 21 nicht zu hinterfragen wäre, wenn die Anzahl der behandelbaren Erkrankungen zahlenmäßig höher wäre. Es steht außer Frage, dass mehr getan werden muss, damit es bei Kindern mit Trisomie 21 nicht automatisch zu einer Beendigung der Schwangerschaft kommt. Es steht aber auch außer Frage, das täglich unzählige ungeborene Kinder (bei intrauteriner Wachstumsstörung, vorzeitigem Blasensprung, Übertragung, Mehrlingsschwangerschaften) auch ohne Fehlbildungen von der pränatalen Ultraschalluntersuchung durch das Festlegen des optimalen Geburtszeitpunktes profitieren. Frauen können durch die pränatale Diagnostik nicht genötigt werden, perfekte Kinder zu gebären, da dazu die pränatale Diagnostik glücklicherweise gar nicht in
der Lage ist. Pränataldiagnostik kann nicht in „gute“ oder „schlechte“ Diagnostik eingeteilt werden. Eine zuverlässige Diagnose ist die entscheidende Grundvoraussetzung für eine individuell optimale Behandlung.

Prof. Dr. med. Franz Kainer
I. Frauenklinik
Klinikum der Innenstadt der
Ludwig-Maximilians-Universität
Maistraße 11
80337 München

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