ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2003Der Grafiker Günter Grass: „Wörter sind nicht genug“

VARIA: Feuilleton

Der Grafiker Günter Grass: „Wörter sind nicht genug“

Dtsch Arztebl 2003; 100(8): A-495 / B-426

Gold, Dagmar

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Günter Grass am Lithostein
Günter Grass am Lithostein
In Lübeck werden die zeichnerischen, malerischen und plastischen Arbeiten des Künstlers ausgestellt.

Als bildender Künstler bin ich gelernter, als Schreiber ungelernter Künstler.“ Günter Grass trägt außer seinem Notizbuch immer einen Skizzenblock bei sich, um seine Eindrücke zeichnend festzuhalten. Als Student an der Düsseldorfer Akademie kam er mit Joseph Beuys in Kontakt, den er als großen Zeichner bewunderte.
„Es ist wohl so, dass mir die Wörter nie genug gewesen sind. Sie, die
vieldeutig die Geschichte immer wieder und neu erzählen, den Leser brauchen, Streit auslösen, oft gegen ihre Absicht Lärm machen und den Autor bloßstellen, geben mich, sobald sie verbraucht waren, von Zeit zu Zeit frei, auf dass ich das Werkzeug wechseln konnte.“ Günter Grass, 1927 in Danzig geboren, wurde nach einer Ausbildung als Bildhauer und Grafiker freier Schriftsteller. Sein Werk gehört zur Weltliteratur. Nach zahlreichen internationalen Ehrungen wurde Grass 1999 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
Zu entdecken: der Grafiker Günter Grass. Der Künstler, der Stift und Griffel beherrscht, wurde am 22. Oktober 2002 fünfundsiebzig Jahre alt. In Lübeck wurde nun das Günter-Grass-Haus eröffnet. Hier liegen die zahlreichen zeichnerischen, malerischen und plastischen Arbeiten des Künstlers aus den letzten fünf Jahrzehnten und auch seine literarischen Arbeiten, die seit 1995 entstanden sind, sowie bibliophile Ausgaben, die er mit Aquarellen ausgestattet hat. Aus diesem Anlass hat Grass drei neue
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Editionen von limitierten Farblithographien geschaffen. Es handelt sich um Landschaftsbilder, die das Unscheinbare, Unspektakuläre thematisieren: Disteln, Bäume im Winter, Birken. Der bildende Künstler Grass zeigt sich als wahrer Handwerker, der das Zeichnen und Malen ordentlich gelernt hat: Handwerk als Einheit der bildnerischen Fantasie. Die verständlichen Wahrheiten in der gegenständlichen Welt liegen für ihn immer in und auf der Hand.
Seit früher Jugend zeigte sich der seltene Stern der Doppelbegabung: „Ich zeichne immer, auch wenn ich nicht zeichne, weil ich gerade schreibe oder konzentriert nichts tue“, erläutert Grass. „Und auch beim Zeichnen schreiben sich Sätze fort, die angefangen auf anderem Papier stehen.“
Grafiken von Grass sind beim kunstinteressierten Publikum sehr beliebt und immer schnell vergriffen. Deutschlands bedeutendste private und öffentliche Sammlungen haben viele seiner grafischen Zyklen erworben, darunter die Sammlung Ludwig und Sammlung Würth. Auch der Literaturkritiker Marcel Reich- Ranicki schätzt den Zeichner und Grafiker Grass außerordentlich: „Was er da seit einem halben Jahrhundert produziert, gefällt mir sehr und beinahe immer.“ Dagmar Gold

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