ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2003Neuropathische Schmerzen: Klassische Analgetika reichen meist nicht aus

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Neuropathische Schmerzen: Klassische Analgetika reichen meist nicht aus

Dtsch Arztebl 2003; 100(8): A-498

Hahne, Dorothee

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LNSLNS Der häufigste Grund für Arztbesuche sind chronische Schmerzen, vor allem Kopf- und Rückenschmerzen, gefolgt von Tumor- und neuropathischen Schmerzen. Die Therapie dieser schätzungsweise acht bis zehn Millionen Schmerzpatienten ist oft schwierig und langwierig, und trotz des enormen Wissenszuwachses in den letzten 20 Jahren werden viele Patienten nicht adäquat behandelt. Zum Beispiel weiß man heute, dass Schmerzen nicht in einem fest verkabelten Netzwerk aus Nervenbahnen weitergeleitet werden, sondern dass das nozizeptive System vom Rezeptor bis zur subjektiven Schmerzempfindung plastisch und damit auf Dauer veränderbar ist.
Mit dem Wissenszuwachs entstanden auch neue Ideen für die Schmerztherapie. So kann das nozizeptive System mit Medikamenten moduliert werden, die keine Analgetika sind. Zu diesen Ko-Analgetika gehören zum Beispiel Antiepileptika oder Antidepressiva. Wie wichtig die Fortbildung ist, zeigt das Beispiel der neuropathischen Schmerzen. Etwa 20 Prozent aller Patienten, die in eine Spezialeinrichtung der Schmerztherapie kommen, leiden an solchen brennenden, einschießenden Nervenschmerzen, etwa wegen einer diabetischen Neuropathie, Gürtelrose oder Amputation. Diese Patienten haben eine Odyssee hinter sich – mit vielen erfolglosen Therapieversuchen. Bei einer Befragung in den USA gaben nur 30 Prozent der Ärzte an, neuropathische Schmerzen sicher diagnostizieren zu können; nur 20 Prozent kannten eine adäquate Therapie.
Diese besteht bei neuropathischen Schmerzen oft nicht in der Gabe klassischer Analgetika wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide. Erfolgreich sind Antidepressiva und Antikonvulsiva, wie das Neurontin, das seit zwei Jahren zur Therapie der diabetischen Polyneuropathie und der postposterischen Neuralgie zugelassen ist. Seit Juli 2002 kann es auch zur Behandlung neuropathischer Schmerzen in allen Indikationen eingesetzt werden.
Die Praxis sieht in Deutschland jedoch anders aus: Nur ein Prozent der Patienten mit neuropathischen Schmerzen erhält Antidepressiva, zwei Prozent bekommen Antiepileptika. 66 Prozent dagegen werden mit NSAR beziehungsweise COX-2-Hemmern behandelt, 16 Prozent mit Analgetika, zehn Prozent mit Muskelrelaxanzien und fünf Prozent mit Vitamin B12.
Ein neues Präparat für akute Schmerzen steht mit dem hochselektiven COX-2-Inhibitor Valdecoxib (Bextra®) zur Verfügung: „Valdecoxib ist ein besonders starkes, schnell wirkendes Analgetikum“, betonte Dr. Thomas Brabant (Bremen). Neben der Behandlung von Schmerzen und Entzündungen bei rheumatoider Arthritis und Osteoarthrose ist Valdecoxib der erste COX-2-Inhibitor, der auch für die Behandlung von Schmerzen bei der primären Dysmenorrhö zugelassen ist. Die Markteinführung ist für das Jahr 2003 geplant. Dorothee Hahne

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