ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2003Hort kann immer noch zaubern

VARIA: Post scriptum

Hort kann immer noch zaubern

Dtsch Arztebl 2003; 100(8): [76]

Pfleger, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Vom 14. bis 16. März wird wiederum in Bad Neuenahr das 11. Deutsche Ärzteschachturnier stattfinden. Sage einer, das „Deutsche Ärzteblatt“ bewiese keine Konstanz – seit der ersten Stunde trifft man sich immer in Bädern mit Casinos. Honni soit qui mal y pense!
Und ebenso treu drapieren bei dieser Gelegenheit jedes Jahr aufs Neue Monika und Manfred Mädler ihren Schachbücherstand mit dem Ladenhüter „Der Arzt im Schachspiel“, im festen Glauben, irgendwann müsse doch mal ein Arzt anbeißen. Wann überhaupt, wenn nicht bei einem Ärzteturnier?! Doch hartnäckig wird diese Kost verweigert, vermutlich haben die Kollegen mit der Selbstbesinnung auf ihren Berufsstand im Alltag genug.
Stattdessen war letztes Jahr „Unkräuter zum Genießen“ der große Renner am Schachstand (!) – seltsam sind die Wege des Herrn und die Vorlieben Schach spielender Ärzte. Doch möge keiner sagen, sie blickten nicht über die starre Umgrenzung der 64 Felder hinaus und hätten allzeit nur ein Brett vorm Kopf! Und der Naturfreund Vlastimil Hort hat sicher seine Freude daran, wenn auch die Tage längst vorbei sind, als er mit Bobby Fischer während eines Turniers in Jugoslawien in die Pilze ging.
Nach seiner beeindruckenden Blindsimultanveranstaltung im letzten Jahr wird Hort diesmal zum Auftakt „normal“ simultan spielen. Doch möge sich keiner von seiner behäbig-jovialen Art einlullen lassen! „Du kannst nicht Schach spielen, wenn du gutmütig bist“, heißt es. Unsinn – erleiden Sie bitte die Widerlegung dieser These am eigenen Leib alias König! Auch wenn Vlastimil wie der Chronist übers Jahr 60 wird und Jammern darüber in unseren Gesprächen allgegenwärtig ist. Wie sagt das jugoslawische Sprichwort: „Mit 60 taugst du nur noch fürs Messer!“
Vlastimil war zu seiner Glanzzeit einer der stärksten Spieler der Welt, verlor unter anderem einen Kandidatenwettkampf gegen den ehemaligen Weltmeister Boris Spassky nur knapp und unglücklich. Natürlich hat er es nicht verlernt und kann immer noch zaubern. Wie beispielsweise bei einem Turnier im holländischen Hoogeveen Ende letzten Jahres, als er dank seines herrlichen Sieges in der letzten Runde gegen den Polen Radulski den hervorragenden zweiten Platz unter 61 Teilnehmern, darunter vielen Großmeistern, erreichte.
Schwarz droht 1. . . . Th8-h2+ mit Damengewinn. Aber überraschend ist der scheinbar bestens verschanzte schwarze König in noch größerer Gefahr als sein weißer Gegenüber. Sehen Sie, wie Vlastimil Hort als Weißer mit einer prächtigen (Opfer-)Kombination gewann?
Lösung:
Zum Auftakt schlug das Damen-opfer 1. Dxf7+! in der schwarzen Königsfestung ein. Und nach 1. . . . Kxf7 2. Tb6xb7+ Kf6 (die traurige Alternative war 2. . . . Ke8 3. Ta8+ mit Matt) war es mit 3. Tf7 matt.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema