ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003zur Telekom: Schreck lass nach

VARIA: Schlusspunkt

zur Telekom: Schreck lass nach

Dtsch Arztebl 2003; 100(9): [84]

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LNSLNS Obwohl es nachfolgend mehr um Zinsen geht, beginnt dieser Beitrag mit einem Ereignis vom Aktienmarkt. Die Deutsche Telekom hatte in den letzten Wochen ihre Aktionäre durchaus hoffnungsfroh gestimmt, denn der Kurs legte seit Jahresbeginn ordentlich zu. Der neue Boss
Kai-Uwe Ricke überstand die ersten 100 Tage seiner Inthronisierung mit Bravour, seine Schuldenabbaupläne und die strategische Ausrichtung des Bonner Konzerns überzeugten offenbar die Finanzmärkte.
Bis Mittwoch, dem 19. Februar dieses Jahres, war die
T-Welt auch noch in allerbester Ordnung, als aus heiterem Himmel der Aktienkurs in wenigen Minuten abstürzte. Nahezu zehn Prozent niedriger wechselten 90 Millionen Aktien an nur einem einzigen Börsentag den Besitzer. Was war bloß geschehen?
Da nichts ohne Grund geschieht, war des Pudels Kern schnell ausgemacht. Die Deutsche Telekom erschreckte die Märkte mit der –
sehr überraschenden – Ankündigung, eine so genannte Pflichtwandelanleihe (Mandatory Convertible) mit einem Volumen von 2,3 Milliarden Euro auf den Markt zu bringen.
Das Besondere an diesem „Zwangsbonds“ ist also, dass er am Ende der Laufzeit in jedem Fall in Aktien getauscht wird, ob der Anleger will oder nicht. Diese Wertpapierform ist, soweit ich weiß, wenigstens in Deutschland einmalig und hat möglicherweise die Marktteilnehmer auch deswegen ziemlich erschreckt.
Der reine „Verwässerungseffekt“ aus der Anleihe (über die spätere Erhöhung der Aktienzahl) hätte den Aktienkurs nämlich bestenfalls um gut vier Prozent drücken und nicht etwa, wie geschehen,
mit einem Kursverlust von fast zehn Prozent abstrafen dürfen.
Sei’s drum. Nach meiner festen Meinung wird der Aktienkurs den Verlust schnell wieder aufholen, da die Unternehmensdaten immer besser werden. Aber es lohnt auf der anderen Seite durchaus, seinen Blick auf eben diese Zwangswandelanleihe mit einer Laufzeit von drei Jahren zu richten.
Mit einer jährlichen Verzinsung von 6,5 Prozent und einer Wandlungsprämie von 24 Prozent, basierend auf einem Aktienkurs von 11,80 Euro, legt sich der Anleger ein Papier ins Depot, mit dem er eigentlich noch viel Freude haben dürfte. Die Wahl dürfte demnach leicht fallen, denn wer kann das in Zeiten wie diesen noch von anderen Anlageformen behaupten?
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