ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Private Kran­ken­ver­siche­rung: Auf Einkaufstour

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Auf Einkaufstour

Dtsch Arztebl 2003; 100(9): A-509 / B-437 / C-413

Flintrop, Jens

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LNSLNS Die Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung AG (DKV) will „schon heute verwirklichen, was die Politik für morgen fordert“. Dazu richtet sich der Marktführer unter den privaten Kran­ken­ver­siche­rungen strategisch neu aus und steigt in den Versorgungsmarkt ein. „Wir wollen Lösungen aus einer Hand anbieten für Versicherung, Service und Versorgung“, sagt der DKV-Vorstandsvorsitzende Dr. Jan Boetius. Kernpunkt des neuen Konzepts sind Gesundheitszentren, in denen verschiedene Fachrichtungen zusammenarbeiten.
Derzeit akquiriert die DKV Ärzte für ein solches primärärztliches Gesundheitszentrum in Köln, das im Juni eröffnet. Dort sollen zunächst ein Allgemeinarzt, ein Internist, ein Gynäkologe, ein Kinderarzt und ein Zahnarzt in einer Partnerschaftsgesellschaft Privatpatienten behandeln. Zudem wird Psychotherapie angeboten.
Die DKV stellt über eine Betreibergesellschaft einen Praxismanager und die technische Infrastruktur. Auch die Abrechnung läuft über die DKV-Tochter. Die Ärzte sind zwar keine Angestellten der Betreibergesellschaft, sie hängen aber an deren Tropf. Freiberuflichkeit sieht anders aus. Von den nach GOÄ abgerechneten Honoraren erhalten die Ärzte einen festen Prozentsatz, dessen Höhe die DKV verschweigt. Hinzu kommt eine erfolgsabhängige Bonifikation – bemessen nach der Patientenzufriedenheit, dem Gesundheitszustand der Patienten (im Vergleich zu wissenschaftlich definierten Standards) und nach den Versicherungsleistungen, die die Patienten im Vergleich zu anderen Gruppen in Anspruch nehmen. Immerhin: Der Anteil der erfolgsabhängigen Komponente überwiege nicht, betont Boetius.
Das „Unternehmen Gesundheit“ – so nennt sich die DKV jetzt – ist auf Einkaufstour. Gesucht werden Ärzte, die die Nase voll haben vom arbeitsintensiven Krankenhausalltag beziehungsweise dem unterneh-
merischen Risiko bei unsicheren Rahmenbedingungen in der Niederlassung. Der Einstieg in die neue „Gesundheitswelt“ sollte aber wohl überlegt sein, denn es droht die finanzielle Abhängigkeit.
Jens Flintrop
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