ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Hormontherapie: Skepsis setzt sich durch

AKTUELL: Akut

Hormontherapie: Skepsis setzt sich durch

Dtsch Arztebl 2003; 100(9): A-513 / B-441 / C-417

Koch, Klaus

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LNSLNS Ein Expertengremium hat im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe neue Empfehlungen zur Anwendung der Hormontherapie (HT) erarbeitet. Der im „Frauenarzt“ (2003; 44: 138 ff.) veröffentlichte Konsensus fällt deutlich zurückhaltender aus als eine erst vor drei Jahren erstellte Stellungnahme der deutschen gynäkologischen Fachgesellschaften. Die Konsensgruppe bestätigt, dass die HT vor allem eine hohe Wirksamkeit bei vasomotorischen Symptomen in der Peri- und Postmenopause hat. Doch mit zunehmender Dauer der Einnahme steigen die Risiken für Schlaganfälle und Herzinfarkte „und der Förderung von Mamma-, Ovarial- und Endometriumkarzinom“, betont eine Pressemitteilung zur Empfehlung. „Das erfordert auch bei der Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden eine sehr gründliche Nutzen-Risiko-Abwägung, die jährlich überprüft werden muss“, sagt Prof. Dr. med. Olaf Ortmann (Lübeck), der die Expertengruppe leitete. Auslöser der Konsensus-Initiative waren widersprüchliche Interpretationen der im Sommer letzten Jahres wegen erhöhter Risiken abgebrochenen Studie der Women’s Health Initiative. Eine Reihe deutscher Experten glaubt, dass die Ergebnisse nicht auf Deutschland und die hier eingesetzten Präparate übertragen werden sollten.

Allerdings kommt die aus zwölf Mitgliedern zusammengesetzte Gruppe zum Ergebnis, dass „derzeit keine ausreichende Evidenz [besteht] für die Bevorzugung bestimmter für die HT zugelassener Östrogene oder Gestagene beziehungsweise ihrer unterschiedlichen Applikationsformen“. Auch die Hoffnung, dass die HT Herzkrankheiten vorbeugen könnte, ist erst einmal zu den Akten gelegt. „Die HT ist nicht zur Primär- beziehungsweise Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit und des Schlaganfalls geeignet“, heißt es. Ortmann hofft nun, dass der Konsens den Meinungsstreit in der Ärzteschaft beruhigt.

Mit der Bewertung der HT liegt die Konsensgruppe weitgehend auf der Linie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Behörde hat im Rahmen des laufenden Stufenplanverfahrens den Herstellern letzte Woche mitgeteilt, dass sie umfangreiche Änderungen der Zulassung plant – wie eine Verschärfung der Warnhinweise in der Fachinformation und die klare Aufforderung an die Ärzte, die „niedrigste wirksame Dosis“ nur so lange anzuwenden, „wie der Nutzen bei der Linderung ausgeprägter Symptome die Risiken überwiegt“. Eingreifen will das BfArM auch in die Indikation Osteoporose: Es sei erforderlich, dieses Anwendungsgebiet „einzuschränken oder gegebenenfalls den Teilwiderruf der Zulassung anzuordnen“, schreibt das Amt. Die Konsensgruppe hingegen hält die HT als „geeignet“ zur Osteoporose-Prävention. Dazu wäre allerdings eine Langzeitanwendung erforderlich, die mit potenziellen Risiken verbunden sei. Klaus Koch
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