ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Medizinstudium: „Hit-Listen“ sind out

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Medizinstudium: „Hit-Listen“ sind out

Dtsch Arztebl 2003; 100(9): A-526 / B-450 / C-425

Pabst, Reinhard

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LNSLNS Die Studienbewerber informieren sich intensiv aus unterschiedlichen Quellen vor Aufnahme des Studiums.

Die Zahl der Bewerbungen um einen Studienplatz im Fach Humanmedizin ist im Wintersemester 2002/03 sprunghaft gestiegen. Dadurch erhöhte sich die Wartezeit, oder ein besserer Abiturdurchschnitt war zur Zulassung notwendig. Die so deutlich höhere Bewerberzahl mag auch an der lebhaften Diskussion in den Medien über den bereits bestehenden oder drohenden Ärztemangel ausgelöst worden sein. Seit einigen Jahren gibt es Studienführer oder „Hit-Listen“ von verschiedenen Zeitschriften und Magazinen über die medizinischen Fakultäten in Deutschland. Es ist bisher nicht bekannt, welche Bedeutung diese Listen für die Studienbewerber haben. Wählen sie eine Fakultät nur, weil sie Bonuspunkte erhalten, wenn sie die dem Wohnort nächstgelegene Fakultät als Wunsch angekreuzt haben? Oder informieren sie sich im Detail über die Lehre? Auf welche Art geschieht das?
Umfrage in Hannover
Da bisher keine Untersuchungen zu diesen Fragen bekannt sind, wurde an die Studierenden im ersten Semester im Fach Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in der dritten Semesterwoche des Wintersemesters 2002/03 ein Kurzfragebogen verteilt. Der Rücklauf betrug 93,6 Prozent; die Erhebung ist damit repräsentativ. Der Prozentsatz der weiblichen Studierenden war mit 68 Prozent viel höher als in den vorausgegangenen Jahren.
Nach der Abiturnote waren 68 Prozent (die MHH hat die Hochschulquote der Abiturnotenquote ergänzend zugeordnet), nach der Wartezeit 19 Prozent, Ausländerquote vier Prozent, Bundeswehr zwei Prozent zugelassen worden. Es hatten 86,3 Prozent die MHH an erster und 2,4 Prozent an zweiter Stelle bei der Ortspräferenz genannt. Die Studierenden antworteten, dass sie die MHH vor allem als bevorzugte Fakultät angegeben hatten, weil sie in Hannover beziehungsweise im Großraum Hannover wohnen (61 Prozent), beziehungsweise in 62 Prozent, weil sie Positives über die Lehre oder in 18 Prozent Positives über die Forschung erfahren hatten.
Besonders interessant sind die Antworten auf die Frage, wie sie sich als Studienbewerber über die Lehre informiert haben (Grafik 1). Die so genannten Hit-Listen der medizinischen Fakultäten in Magazinen spielen demnach eine ganz untergeordnete Rolle (< zehn Prozent). Jeder fünfte Bewerber hat vor Ort mit Studierenden gesprochen. Eine große Bedeutung haben Gespräche mit Verwandten und Bekannten, mit Ärzten während des Krankenpflegepraktikums und besonders mit älteren Studierenden. Die Bewerber nutzten überraschend viele Informationsquellen (Grafik 2).
Persönliche Erfahrungen
Die Ergebnisse der Befragung aus Hannover belegen, dass sich Bewerber um einen Medizinstudienplatz intensiv um Informationen bemühen, wobei persönliche Erfahrungen und Nachfragen eine viel größere Rolle spielen als so genannte Hit-Listen in Zeitschriften. Die Studierenden des Jahrgangs 2002/03 haben die Wahl des Hochschulorts nicht passiv der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, Dortmund, überlassen. Prof. Dr. med. Reinhard Pabst
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