ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Mammographie: Falsche Botschaft
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LNSLNS In dem Beitrag wird mehrfach eine Veröffentlichung von mir als Quelle benutzt. Für mich ist die Gesamttendenz des Beitrages von Bedeutung: Sie ist einfach die falsche Botschaft. Hier wird ein Zitat von mir „missbraucht“, um Lauterbach und auch das Gutachten des Sachverständigenrates mit seinen kritischen Passagen zur Qualität der Versorgung von Brustkrebspatienten zu diskreditieren. Schon die Überschrift offenbart die Denkrichtung der Geschäftsführung der BÄK. „Wenn Wissenschaftler Politik maich nicht, wenn es denn die richtige Politik ist. Die schlechte Qualität in der Versorgung von Brustkrebspatientinnen in Deutschland anzuprangern, besonders die Folgen des „wilden Mammographie-Screenings“, wie von mir beschrieben, ist doch richtig. Erst auf Druck von Frauen-Initiativen, Wissenschaftlern, Medien usw. sind die Verantwortlichen aufgewacht und haben in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Maßnahmen angeschoben, wie z. B. Leitlinien, die Zertifizierung von Brustzentren und die Einführung eines qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings.
Problematisch wird es aber, wenn (Standes-)Politiker sich aufschwingen, Wissenschaft zu „bewerten“, insbesondere, wenn diese unbequem ist. Was dabei rauskommt, wird uns anschaulich demonstriert: Ein neuer Evidenzlevel, nennen wir ihn mal „R“, wie Referent der Geschäftsführung. Jedenfalls einer, weit unter dem bisher niedrigsten: Da wird die Sterbeziffer herangezogen als Zielparameter, um die Qualität verschiedener Länder zu vergleichen. Eine wahre Bias-Fundgrube. Woher kommen denn überhaupt belastbare Zahlen aus einem Lande, in dem es gar kein flächendeckendes Krebsregister gibt? Der Endpunkt Sterblichkeit ist mit einer Latenz von 10 bis 20 Jahren zeitlich weit entfernt von den durchgeführten Maßnahmen, die ihn beeinflussen können. Wie werden die Zahlen in den Ländern gewonnen, mit denen Deutschland verglichen wird? Ist die Brustkrebsbehandlung z. B. in Griechenland oder Portugal wirklich besser als bei uns, oder sitzt der Autor vielleicht einem Olivenöl-Bias auf? Könnten wir in der Versorgung von Brustkrebspatienten nicht trotzdem schlecht sein, vielleicht sind die „Vergleichsländer“ nur noch schlechter.
Was uns der Beitrag suggerieren will, ist doch Folgendes: Es kann doch gar nicht so schlimm sein mit der Versorgung von Brustkrebspatienten, wie dieser Sachverständigenrat es uns glauben machen will mit seiner „Pseudoevidenz“. Die „Schuldigen“ haben doch ihre Hausaufgaben schon immer verantwortlich gemacht. Änderungen sind nicht nötig, nur weiter so, wie bisher. Nein, das darf die Botschaft nicht sein. Da ist es mir lieber, Wissenschaftler mischen sich ein und machen auch mal Politik. Ich habe in der genannten Arbeit auch einen inzwischen vielfach zitierten Missstand beschrieben. Ich hoffe, die Frauen werden es uns danken.
Dr. H.-J. Koubenec, Otto-Erich-Straße 9, 14109 Berlin-Wannsee
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