ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Fachärzte: Zynisches Konzept

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Fachärzte: Zynisches Konzept

Dtsch Arztebl 2003; 100(9): A-542 / B-466 / C-439

Klauser, A.

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LNSLNS Mit Schaudern habe ich den Artikel von Herrn Dr. Clade gelesen. Da soll wohl umstrukturiert werden auf Teufel komm raus. Einerseits soll ein Drittel der 580 000 Krankenhausbetten in Deutschland via DRG abgebaut, d. h. im Klartext ein Drittel der Krankenhäuser geschlossen, andererseits die fachärztliche ambulante Betreuung den Niedergelassenen entwunden und an Krankenhäuser angebunden werden. Über die notwendigen Investitionen in Struktur und Personal, um diese erhebliche Mehrbelastung im Ambulanzbetrieb der Krankenhäuser darzustellen, wird kein Wort verloren, als ob diese Institutionen derzeit nicht weitgehend am Rande ihrer Kapazitäten arbeiten, sondern mit der Nase an die Fensterscheibe gepresst auf Kundschaft warten würden. Auch wird man wohl davon ausgehen dürfen, dass die Effizienz der Arbeit in privatwirtschaftlich organisierten Praxen höher liegt als in Krankenhausambulanzen, wo demnächst das Arbeitszeitschutzgesetz in vollem Maße umgesetzt werden muss. Auch der Blick über den Tellerrand lässt nicht hoffen, dass mit dem neuen Konzept viel gewonnen ist. In Schweden z. B., wo die fachärztliche Versorgung ja schon an die Krankenhäuser gebunden ist, ist die Wahrheit für die Patienten bitter: Die fachärztliche Versorgung ist dort einfach grottenschlecht. Die Politik hat das Gesundheitswesen zum Experimentierfeld für fachfremde Dritte erklärt, wo man, ganz köpenickianisch, ein bisschen herumprobieren darf und jeden Mehraufwand, der bisher stets bürokratischer Natur war, budgetneutral auf die immer gleichen Schultern, an Ärzte und Pflegepersonal, weiterreicht. DRG, EuGH-Urteil, TÜV für Ärzte, ein „neu einzurichtendes Zentralinstitut“ für die Zusatzbewertung von Arzneimitteln, alles muss durch Umverteilung aus der primären Versorgung von Patienten finanziert werden. Unsere lieben Reformer sind wie Wünschelrutengänger, die erfreut aufjohlen, wenn die Rute ausschlägt, den Brunnen sollen dann andere graben: Ärzte und Pflegepersonal, mit unbezahlten Überstunden. Ein zutiefst zynisches Konzept, das bereits ausgereizt ist. Am besten, sie verstaatlichen das gesamte Gesundheitssystem, dann können sie herumprobieren, wie sie wollen, dann verschlüssele ich von mir aus auch den ganzen Tag, und um fünf Uhr nachmittags gebe ich meinen Funk an der Pforte ab und geh nach Hause.
Priv.-Doz. Dr. med. A. Klauser, Ascheringerstraße 1a, 82340 Feldafing
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