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LNSLNS Gesundheitswesen
Angreifbar
Kurt Langbein, Bert Ehgartner: Das Medizinkartell. Die sieben Todsünden der Gesundheitsindustrie. Piper-Verlag, München, 2002, gebunden, 320 Seiten, 19,90 €
Wer ist nicht unzufrieden mit dem Gesundheitswesen? Patienten sind enttäuscht, weil es bei schweren Krankheiten oft keine Heilung gibt. Ärzte und Pfleger sind aus demselben Grund frustriert und weil ihre Arbeitbedingungen zunehmend eingeschränkt werden. Die Frage ist: Könnte es anders sein? Ja, lautet die Antwort der Autoren – allerdings unter einer Bedingung: Moderne Gesundheitssysteme müssten sieben Fehler überwinden, die sich im Laufe ihrer Entwicklung vereinigt hätten. Sie nennen diese Fehler „Todsünden“ in Anlehnung an die katholische Auflistung: Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Habgier, Völlerei und Wollust.
Für die Autoren sind moderne Gesundheitssysteme, wie zum Beispiel in Deutschland oder Österreich, teuer, aber ineffizient. Mit der Zeit seien Konzepte, die bei lebensgefährlichen Infektionskrankheiten lebensrettend waren, fragwürdig geworden und bei vielen Krankheiten zum Selbstzweck verkommen.
Das Konzept, die Interessenlage der vielen Gruppen, die behaupten, nur das Interesse der Patienten im Sinn zu haben, ins Schema von Todsünden zu pressen, macht das Buch angreifbar. Doch das ist durchaus kein Mangel: Zuspitzung ist die Voraussetzung für eine gute Diskussion.
Allerdings gehen Langbein und Ehgartner von der These aus, dass sich Krankheiten wie Herzkrankheiten und Krebs in den Griff bekommen ließen, wenn die Medizin sich auf die „richtigen“ Konzepte konzentrieren würde. Dabei ist gerade diese Idee, heute unbesiegbare Krankheiten ließen sich durch eine andere Medizin heilen, ein aus den Erfolgen gegen die Infektionskrankheiten geborener Mythos, der den Blick auf die Wirklichkeit verstellt. Krebs, Demenz und Herzkrankheiten sind die biologischen Verschleißsymptome des nicht auf Unsterblichkeit ausgelegten Modells Mensch. Medizin, aber vor allem der persönliche Lebensstil kann den Verschleiß verzögern, aber letztlich nicht aufhalten. In einem „guten“ Gesundheitswesen wäre allerdings die Phase des Leidens so kurz wie möglich. Und Patienten würden verschont von solchen Therapien, die nicht ihnen, sondern nur anderen nutzen.
Klaus Koch
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