ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Auswahl von Protonenpumpen-Inhibitoren: Zu viele Protonenpumpen-Inhibitoren
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LNSLNS Die Frage für mich als ambulant tätigen Arzt ist eher: wie viele Protonenpumpen-Hemmer brauchen wir für eine sinnvolle Patientenversorgung?
Ein Blick zurück: Wir lernten die Vorzüge des teuren Antra im Vergleich unter anderem zu den H2-Blockern kennen und schätzen; einige niedergelassene Ärzte verschafften sich über die Jahre Informationen zur Substanz, auch unabhängig von den bunten Werbebroschüren des Anbieters. Abgesehen von den Sehstörungen blieben größere Probleme mit unerwünschten Wirkungen aus, sodass selbst die Kollegen, die für eine größere Literaturrecherche keine Zeit hatten, mit der Verordnung wenig Fehler gemacht haben. (Ich vermute allerdings, die Indikation stimmte nicht immer.)
Im April 1999 endete der Patentschutz für Antra. Darauf abgestimmt wurden andere Protonenpumpen-Hemmer auf den Markt gebracht, die sich nicht grundsätzlich in Wirksamkeit und Risikoprofil unterscheiden. Für all diese neuen Protonenpumpen-Hemmer gilt: Die klinischen und die publizierten Erfahrungen sind geringer als beim Omeprazol, der Werbeaufwand der Anbieter verhält sich dazu umgekehrt proportional.
Vielleicht überzeugt den einen Kollegen der S-Enantiomer-Aspekt beim Esomeprazol. Bis er sich neben seiner Praxistätigkeit allerdings einen Literaturüberblick verschafft hat (nicht nur die vom Anbieter gelieferte Literatur), wird ihm schon ein weiterer Protonenpumpen-Inhibitor angeboten. Dabei gilt weiterhin die Aussage von „Wirkstoff aktuell“, Ausgabe 4/2001 der KBV: „Die Unterschiede von Esomeprazol zu Omeprazol oder anderen Protonenpumpenhemmern . . . sind in der therapeutischen Alltagssituation nicht so relevant, dass sie einen generellen Einsatz von Esomeprazol begründen.“
Es ist ähnlich wie in der Geschichte vom Hasen und den Igeln; sind es in der Geschichte nur zwei Igel, an denen der Hase verzweifelt, so agieren im Alltag einer Arztpraxis viele Igel namens Pharmareferenten. Wer sich von uns auf den Wettlauf einlässt, muss verlieren. Deswegen mein Rat: Änderungen des ärztlichen Verordnungsverhaltens sollten ein seltenes Ereignis bleiben, denn es wird nicht in jedem Jahr ein pharmakologischer Durchbruch realisiert. Im Sinne einer größeren Patientensicherheit – denn nicht alle Pharmaka sind so sicher wie die Protonenpumpen-Hemmer – wäre es, neue Pharmaka zuzulassen (beziehungsweise vom Kostenträger zu erstatten), wenn ein Vorteil gegenüber der etablierten Therapie anzunehmen oder zu belegen ist. Für solch einen Ansatz sehe ich zurzeit leider keine relevante politische Unterstützung.

Thomas Lindner
Marwitzer Straße 91
16761 Henningsdorf
E-Mail: thomaslindner@t-online.de

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