ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Diagnostische Strategien bei Patienten mit Verdacht auf pulmonale Embolien

MEDIZIN: Referiert

Diagnostische Strategien bei Patienten mit Verdacht auf pulmonale Embolien

Dtsch Arztebl 2003; 100(9): A-570 / B-486 / C-459

Marx, Catrin

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LNSLNS Venöse Thromboembolien bei Patienten mit der Verdachtsdiagnose pulmonale Embolie (PE) kommen selten vor, wenn keine krankhaften Befunde im Spiral-CT und im Ultraschall entdeckt werden und durch die klinische Ersteinschätzung das Risiko als gering bis mittel bewertet wird.
In diesen Fällen scheint es gerechtfertigt zu sein, keine antikoagulative Therapie durchzuführen.
In der prospektiven multizentrischen Studie wurden 1041 Patienten, die möglicherweise eine PE aufwiesen, mittels Spiral-CT, Kompressionsultraschall zwischen September 1999 und Dezember 2000 untersucht. Die vor Ort tätigen Ärzte schätzten bei den Patienten die klinische Wahrscheinlichkeit für eine pulmonale Embolie ein bevor weitergehende Untersuchungen durchgeführt wurden.
Patienten mit negativem Spiral-CT und Ultraschall und der klinisch ermittelten Einschätzung, dass nur eine geringe oder mittlere Wahrscheinlichkeit für eine PE vorliegt, wurden nicht weiter behandelt. Die Patienten mit der Einstufung „große Wahrscheinlichkeit“ wurden einem Ventilations-Perfusions-Lungenscanning und/oder einer pulmonalen Angiographie unterzogen oder beidem. Alle Patienten wurden drei Monate lang nachbeobachtet. Eine PE wurde bei 360 (34,6 Prozent) Patienten diagnostiziert, 55 hatten einen positiven Ultraschallbefund bei negativem CT-Befund. Von 601 Patienten mit negativem Spiral-CT und Ultraschallbefund, wurden 76 klinisch eingestuft, ein hohes Risiko für eine PE zu haben. Diese Probanden bekamen ein Lungenscanning oder einer Angiographie, die in vier Fällen eine PE bestätigte. Die verbleibenden 525 Patienten wurden als mit geringem oder mittlerem Risiko behaftet eingestuft, und 507 wurden nicht behandelt. Von diesen Patienten entwickelten 9 eine venöse Thromboembolie während des Follow-up. Die diagnostische Strategie konnte bei 95 dieser Patienten nicht überzeugen und bei 74 der Patienten wurde eine pulmonale Angiographie durchgeführt.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine Therapie ohne Antikoagulanzien nur dann vertretbar ist, wenn die klinische Ersteinschätzung durch den Arzt die Wahrscheinlichkeit einer PE als niedrig oder mittel eingestuft wird und wenn sowohl Spiral-CT als auch Ultraschall negativ sind. et

Musset D, Parent F, Meyer G, Maître S, Girard P, Leroyer C, Revel MP et al.: Diagnostic strategy for patients with suspected pulmonary embolism: a prospective multicentre outcome study. Lancet 2002; 360: 1914–1920.

Dr Gérald Simonneau, Division of Respiratory Medicine, Hôpital Antoine Béclère, 157 Avenue de la Porte de Trivaux, 92140 Clamart, France. E-Mail: gerald.simonneau @abc.ap-hop-paris.fr

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