ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Transplantationsmedizin: Optimierung der Abstoßungsprophylaxe

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Transplantationsmedizin: Optimierung der Abstoßungsprophylaxe

Dtsch Arztebl 2003; 100(9): A-574 / B-490

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Einen Wendepunkt in der Transplantationsmedizin stellte die Einführung von Cyclosporin (Sandimmun®) im Jahr 1983 dar, dem sich
die Optimierung der Abstoßungsprophylaxe anschloss, da dieses Immunsuppressivum zwar hochpotent ist, aber zu den Pharmaka mit geringer therapeutischer Breite gehört. Einen wesentlichen Beitrag zur Dosistitration leistete die Weiterentwicklung der Galenik. Statt als lipophile Suspension mit intra- und interindividuell sehr variabler Absorption steht Cyclosporin seit Mitte der 90er-Jahre als wasserlösliche Mikroemulsion (Sandimmun® Optoral) zur Verfügung.
Die reproduzierbare Pharmakokinetik dieser Darreichungsform ist nicht nur compliancefreundlicher, sondern erlaubt auch ein zuverlässigeres Therapiemonitoring. Inzwischen weiß man, dass die zwei Stunden nach Einnahme gemessene Wirkstoffkonzentration (C2-Wert) besser mit der Cyclosporin-Gesamtexposition korreliert als der Talblutspiegel (CO-Wert).
Mit Basiliximab (Simulect®) wurde Ende der 90er-Jahre die Palette der transplantatschützenden Substanzen erweitert. Es handelt sich dabei um einen humanisierten monoklonalen Antikörper zur komplementären Induktion der Immunsuppression in der prä- und frühen postoperativen Phase der Transplantation.
Molekülvariante verbessert die Galenik
Zur Zulassung bei der europäischen und US-amerikanischen Arzneimittelbehörde eingereicht ist Mycophenolatnatrium (Myfortic™), eine Molekülvariante des bereits seit einiger Zeit erfolgreich zur Unterstützung der Basisimmunsuppression nach Transplantation eingesetzten Mycophenolatmofetil (Cellcept®). Wesentliche Unterschiede sind die schnellere und höhere Bioverfügbarkeit sowie die bessere gastrointestinale Verträglichkeit, denn der Wirkstoff wird in der aktiven Form, nicht aber als Prodrug zugeführt; die Resorption erfolgt aufgrund der andersartigen Galenik erst im Dünndarm und nicht bereits im Magen. In Hinblick auf den therapeutischen Effekt haben sich nach Aussage von Prof. Björn Nashan (Hannover) die beiden Varianten als äquivalent erwiesen.
In der Phase III der klinischen Entwicklung befindet sich Everolimus (Certican™). Die Substanz ist der zweite Vertreter der mTOR-Inhibitoren (mammalian Target of Rapamycin), einer neuen Klasse von Immunsuppressiva mit proliferationshemmenden Eigenschaften. Damit erscheint Everolimus besonders geeignet, das vaskuläre Remodelling – als primäre Ursache für das chronische Transplantatversagen – zu verhindern. Außerdem sind mTOR-Inhibitoren nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand weniger nephrotoxisch als Calcineurininhibitoren (Cyclosporin und Tracrolimus).
Als einen Hoffnungsträger für die Transplantationsmedizin bezeichnete Dr. Tomasc Sablinski (Basel) das FTY720. Aufgrund des völlig anderen und wesentlich zielgerichteteren Wirkprinzips sei die Substanz eher ein Immunmodulator als ein Immunsuppressivum. Am Tiermodell hat man gezeigt, dass die Abwehrkräfte gegen systemische virale Infekte nicht beeinträchtigt würden. FTY720 wird zurzeit in Phase-II-Studien geprüft. Gabriele Blaeser-Kiel

Satellitensymposium „New Data on Current Immunosuppression in Transplantation and What is New in the Pipeline of Novartis“, veranstaltet bei der 11. Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft in Hannover
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