ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2003Lebensstandard im Alter: Vorsorge tut Not

Versicherungen

Lebensstandard im Alter: Vorsorge tut Not

Dtsch Arztebl 2003; 100(9): [83]

Rieser, Sabine

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LNSLNS Die Mehrzahl der Rentner- und Pensionärshaushalte lebt heute so gut versorgt wie noch nie. Doch zukünftige Rentner müssen erhebliche finanzielle Lücken hinnehmen – oder sie rechtzeitig füllen.

Der Geldbedarf von Rentnerhaushalten wird in Zukunft erheblich größer sein als heute. Zu diesem Schluss kommt das Deutsche Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) in einer Studie. Als Gründe werden das sinkende Rentenniveau und die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung genannt. Dazu kommt ein verändertes Freizeit- und Konsumverhalten der zukünftigen Alten.
1998 entsprachen die verfügbaren Einkommen aller Rentnerhaushalte in Höhe von durchschnittlich 1 939 Euro rein rechnerisch auch deren Mittelbedarf. „2010 werden die verfügbaren Einkommen nur noch 88 Prozent und 2020 sogar nur noch 82 Prozent des Mittelbedarfs aller Rentnerhaushalte abdecken“, prognostiziert Stefanie Wahl. Sie ist Projektleiterin der entsprechenden DIA-Studie. Bei der Hochrechnung geht Wahl davon aus, dass die Versorgungslücken vor allem durch einen starken Kostenanstieg in den Bereichen Gesundheit/Pflege, Freizeit, Bildung, Verkehr und Kommunikation entstehen.
Das, was die Bundesbürger mit Blick aufs Alter zu sparen planen, wird für den gewohnten Lebensstandard später nicht ausreichen. „Der Anteil der Renten von heute 58 Prozent am verfügbaren Einkommen dürfte bei Rentnerhaushalten 2010 nur noch 52 und 2020 sogar lediglich 47 Prozent betragen“, hat das DAI errechnet. Einziger Ausweg: eine „erhebliche zusätzliche Spartätigkeit“. Wer zum Beispiel 2020 in Rente geht, müsste für die Zeit von 1998 an eine errechnete Einnahmelücke von rund 78 000 Euro schließen. Dafür müssten bei einer Realverzinsung von zwei Prozent jährlich 20 Jahre lang 2 271 Euro oder zehn Jahre lang 5 040 Euro gespart werden.
Dass die Notwendigkeit solcher Rücklagen im Bewusstsein der meisten Bürger noch nicht verankert ist, belegt eine Befragung der Bertelsmann Stiftung zu Vorsorgesituation und -verhalten der 30- bis 50-Jährigen. Ersten Auswertungen zufolge schätzen zwei Drittel der Befragten die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu hoch ein, ein Viertel sogar um mehr als 50 Prozent.
Auffallend schlecht ist zudem der Informationsstand darüber, wer einen Vertrag über eine so genannte Riester-Rente abschließen kann. Von den Arbeitern und Angestellten wusste nur jeder Zweite, ob ihm die staatliche Förderung zusteht. Etwa die Hälfte der Befragten antwortete, man plane keine Erhöhung der Altersvorsorge. Dabei glaubten circa 60 Prozent, sie seien ausreichend abgesichert, was sich oft als Fehleinschätzung herausstellt. Knapp 40 Prozent gaben an, bei ihnen reiche das Geld nicht für eine Zusatzvorsorge. Das ist ebenso problematisch, da bei vielen Bürgern mit dieser Einstellung die Altersvorsorge sowieso schon unzureichend ist. Positiv wertet die Bertelsmann Stiftung, dass die gesetzlichen Rentenversicherungsträger seit dem vergangenen Jahr regelmäßig Renteninformationen versenden. Daraus kann ein Versicherter entnehmen, welche Ansprüche er bislang erworben hat und wie hoch seine Rente mit 65 vermutlich bemessen sein wird. Allerdings bemängelt die Stiftung, die enthaltenen Prognosen seien zu optimistisch. Die Hochrechnung der Anwartschaften auf eine zukünftige Rente mit 65 werde ohne Rentenanpassung und dann jeweils mit Anpassungssätzen von 1,5 und 3,5 Prozent jährlich gerechnet. Das sei eine illusionäre Darstellung: „Eine jährliche Anpassung von 3,5 Prozent gab es zuletzt in den 60er- und 70er-Jahren.“ Es fehle außerdem ein Hinweis, dass alle Beträge Nominalwerte sind. Dies verschleiere, dass der gleiche Betrag in Zukunft weniger Kaufkraft besitzt als heute.
Die ärztlichen Versorgungswerke informieren ihre Mitglieder schon seit längerem jährlich darüber, welche Höhe ihre Rentenanwartschaft erreicht hat, allerdings ohne eine Hochrechnung künftiger Dynamisierungen. Sie sind also recht gut über ihre voraussichtliche Rente unterrichtet. Die Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen weist allerdings darauf hin, dass in Zukunft mit niedrigeren Renten und Anwartschaften zu rechnen sei. An der Rendite zehrten der schwächelnde Kapitalmarkt und die gestiegene Lebenserwartung der Mitglieder. 2000 betrug die von den Versorgungswerken gezahlte durchschnittliche monatliche Altersrente rund 1 851 Euro. Rie
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