ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2003Südafrika: Im Geländewagen durch das Richtersveld

Supplement: Reisemagazin

Südafrika: Im Geländewagen durch das Richtersveld

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): [6]

Ernst, Klaus

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Fotos: South African Tourism
Fotos: South African Tourism
Zwischen Atlantikküste und Oranje River im nordwestlichen Zipfel Südafrikas erstreckt sich eine rauhe und von der Sonne ausgedörrte Landschaft von seltener Schönheit: das Richtersveld. Diese menschenleere und wilde Gegend ist nach einem deutschen Missionar benannt, der 1830 in diese unwirtliche Gegend kam. Zum Schutz der einzigartigen Wüstenvegetation, die eine große Vielfalt an endemischen Pflanzen aufweist, wurde 1991 der Richtersveld National Park gegründet. Er liegt am Unterlauf des Oranje und umfasst ein 162 445 Hektar großes Gebiet.
Einen Besuch des touristisch noch kaum erschlossenen Nationalparks wird man nicht bereuen, wenn man naturverbunden ist und die Strapazen nicht scheut. Im Richtersveld ist man unter „Expeditionsbedingungen“ unterwegs. Fahrzeuge mit Vierradantrieb sind Vorschrift. Zelte, Schlafsäcke und Schlauchboote sind unverzichtbar. Lebensmittel und Trinkwasser sowie Benzin und Brennholz müssen in ausreichender Menge mitgeführt werden. Auf einen ortskundigen Führer – es gibt keine genauen Gebietskarten – sollte der Tourist nicht verzichten.
Bester Ausgangspunkt für einen Ausflug in das Richtersveld ist Port Nolloth, ein kleiner Hafen an der Atlantikküste. In diesem Ort gibt es ei-
nen Spezialveranstalter (Richtersveld Experience Tours & Lodge), den man mit der Durchführung einer mehrtägigen Campingtour betrauen kann.
Über die Schotterpiste
Für die Fahrt von Port Nolloth in den Nationalpark benötigt man einen ganzen Tag. Eine 180 Kilometer lange Straße, die nur bis zum Diamantenort Alexander Bay geteert ist, führt zum Parkeingang in Sendelingsdrif. Hier muss eine Aufenthaltsgenehmigung noch vor 16 Uhr eingeholt werden. Danach ist die Einfahrt in den Park nicht mehr gestattet.
Ab Sendelingsdrif geht die Schotterstraße in eine zunehmend schlechter werdende Piste über. Zerklüftete Berge müssen überwunden und wasserlose Flussläufe durchquert werden. Oft kommt man daher nur im Schneckentempo vorwärts. Nach mühevoller Fahrt wird der Oranje River erreicht, dessen üppige Ufervegetation wohltuend von der Kargheit der benachbarten Berge absticht. Am Flussufer gibt es drei Campingplätze: Potjiespram, De Hoop und Richtersberg. Da diese Plätze über keinerlei Einrichtungen verfügen, kann in freier Natur gezeltet werden. Abends wird meistens am offenen Lagerfeuer gegrillt. Durch seine zentrale Lage – zwischen Potjiespram und Richtersberg – ist der De Hoop-Campingplatz ein guter Ausgangspunkt für Exkursionen in den Nationalpark.
Auf Wanderungen und Erkundungsfahrten hat man das Gefühl, in einer Mondlandschaft zu stehen. Die schroffen und sonnenverbrannten Berge weisen die unterschiedlichsten Farbtönungen auf. An den kahlen oder nur spärlich bewachsenen Hängen sind die verschiedenen geologischen Formationen leicht zu erkennen. Sie reichen von eiszeitlichen Gletschersedimenten und fossilienhaltigen Meeresablagerungen bis zu uralten vulkanischen Gesteinen. Erosionskräfte von Wind und Sandsturm haben Felsformationen modelliert. Diese sind besonders bizarr im südöstlichen Teil des Nationalparks, in der Gegend der Köcherbaumschlucht.
Hauptattraktion der Gebirgswüste sind endemische Sukkulenten, die sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen. In diesem sehr trockenen Lebensraum gibt es eine Vielfalt an wasserspeichernden und wüstenharten Pflanzen. In einigen Gebieten mit einem Jahresniederschlag von 70 mm/km2 kann man auf einem Quadratkilometer mehr als 300 verschiedene Pflanzenarten zählen.
Lebende Steine
Zu den bekanntesten hier vorkommenden Sukkulenten zählen die Lebenden Steine (Lithops). Diese unscheinbaren Pflanzen leben dicht am Boden und sind nur schwer von kleinen Kieselsteinen zu unterscheiden. Nicht zu übersehen sind hingegen die an steinigen Hängen wachsenden Köcherbäume (Aloe dichotoma) und Riesenköcherbäume (Aloe pillansii). Die Äste dieser markanten Baumaloen wurden von den San (Buschmännern) ausgehöhlt und als Köcher für ihre Pfeile benutzt. Eine auffällige Pflanze ist auch der legendäre „Halbmensch“ (Pachypodium namaquanum), der auf fleischigem Stamm einen aus wenigen Blättern bestehenden „Kopf“ trägt. Der Name geht auf den Glauben der Nama (Hottentotten) zurück, demzufolge Bäume verwandelte Menschen sein sollen.
Die Trockenlandschaft scheint auf den ersten Blick Tieren keinen Lebensraum zu geben. Mit etwas Glück wird man jedoch das nur hier und in Namibia beheimatete Hartmann-Bergzebra sowie Klippspringer und Erdmännchen beobachten können. Leoparden und Hyänen sind rar. Kleine Reptilien kommen dagegen häufig vor. Sogar ein Frosch (Paradiesfrosch) meistert das Überleben in der Wüste. Außerordentlich reich ist die Vogelwelt am Oranje River. Goliathreiher und Schlangenhalsvögel können am Flussufer gut beobachtet werden. Touristen, die auf dem De Hoop-Campingplatz zelten, sollten wenigstens einen Urlaubstag für eine Bootsfahrt auf dem Oranje River einplanen. Auf einer sehr holprigen Piste fährt man flussaufwärts bis zum Richtersberg-Campingplatz. Dort werden die Schlauchboote startklar gemacht und die Schimmwesten angelegt. Dann vertraut man sich der Strömung an und genießt die ursprüngliche Flusslandschaft. Die Bootstour ist auch für Anfänger geeignet.
Beim Verlassen des Nationalparks kann die kürzere Route über den Helskloof-Pass genommen werden. Auf vergleichsweise guter Piste wird die Passhöhe erreicht. Hier bietet sich die letzte Gelegenheit, das Bergpanorama noch einmal zu bewundern. Die Tour durch eines der „wildesten“ Gebiete des südlichen Afrika endet am Helskloof Gate, das nur zur Ausfahrt aus dem Park benutzt werden darf. Klaus Ernst

Reise-Tipps
Die Campingtour war „Baustein“ einer längeren Reise durch das südliche Afrika. Buchung über AST African Special Tours: Gronauer Weg 31, 61118 Bad Vilbel, Telefon: 0 61 01/49 00 00, Fax: 49 90 29, E-Mail: info@ast-reisen.de, www.ast-reisen.de.
AST arbeitet mit Reiseveranstaltern vor Ort zusammen. Ferner: Umfulana Individuelles Reisen GmbH, Wipperfürther Straße 376, 51515 Kürten, Telefon: 0 22 68/9 09 80, Fax: 90 98 20; www.umfula na.de; Airline: South African Airways (SAA).
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