ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2003Operative Behandlung benigner intrakranieller Raumforderungen: Korrekturbedürftig

MEDIZIN: Diskussion

Operative Behandlung benigner intrakranieller Raumforderungen: Korrekturbedürftig

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): A-644

Quabbe, Hans-Jürgen

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LNSLNS Die Arbeitsgemeinschaft Hypophyse und Hypophysentumore/DGE möchte zum Abschnitt „Hypophysenadenome“ des Artikels eine Korrektur, beziehungsweise Ergänzung zum Ausdruck bringen, soweit das Prolaktinom und das ACTH-sezernierende Adenom betroffen sind.
Für das Prolaktinom wird richtig festgestellt, dass die medikamentöse Therapie mit einem Dopaminagonisten (DA) die erste Therapiewahl ist. Anders als dargestellt gilt dies aber auch beim Vorliegen von Gesichtsfeldausfällen und bedrohlichem Visusverlust bei einem Makroadenom. DA bewirken oft innerhalb weniger Tage eine
signifikante Tumorverkleinerung, die den Weg zum Abwarten unter weitergeführter medikamentöser Therapie eröffnet. Dabei muss die DA-Therapie allerdings durch häufige — gegebenenfalls tägliche — Gesichtsfeld-Untersuchungen begleitet werden. Nur wenn keine schnelle Verbesserung der Gesichtsfeldausfälle gelingt, ist die Operation zur Entlastung der Sehnerven indiziert.
Sowohl beim Makro- als auch beim Mikroadenom kann in geeigneten Fällen eine erhöhte PRL-Konzentration akzeptiert werden, zum Beispiel bei intakter Gonadenfunktion (die bei wenig erhöhten PRL-Konzentrationen möglich ist), bei der Frau postmenopausal oder auch bei fehlendem Kinderwunsch unter medikamentösem Ausgleich eines Östrogendefizits. Gerade Prolaktinome mit niedrigen PRL-Konzentrationen sollten medikamentös und nicht chirurgisch behandelt werden. Die Indikation zur chirurgischen Therapie ergibt sich also beim Prolaktinom nur, wenn (1) beim Makroadenom mit Gesichtsfeldausfällen eine DA-Therapie zu keiner Entlastung der Sehnerven führt, (2) ein Makroprolaktinom trotz DA-Therapie eindeutig wächst und eine Bedrohung der Sehnerven wahrscheinlich wird oder (3) in sehr seltenen Fällen eine DA-Therapie des Makroadenoms nicht vertragen wird.
Einer Korrektur bedarf auch die Angabe, dass ACTH-sezernierende
Hypophysenadenome „kernspintomographisch mit hoher Sicherheit“ lokalisierbar sind. Diese Adenome sind tatsächlich nicht selten zu klein, um kernspintomographisch darstellbar zu sein. Auch bei fehlendem Tumornachweis in der Bildgebung ist deswegen eine Operation indiziert, wenn die Diagnose des Morbus Cushing — also des ACTH-
sezernierenden Hypophysenadenoms — endokrinologisch gesichert ist. Bei jedem Hypophysenadenom sollte immer ein auf diesem Gebiet erfahrener Endokrinologe in die Entscheidung zu einer Operation eingebunden sein.
Schließlich ist die Übersetzung des Titels in die englische Sprache unglücklich, soweit die Hypophysenadenome betroffen sind, da es sich bei ihnen gerade nicht um „benign brain tumors“ handelt.

Literatur
1. Abboud CF, Ebersold MJ: Prolactinomas. In: Thapar K, Kovacs K, Scheithauer BW und Lloyd RV, eds.: Diagnosis and Management of Pituitary Tumors. Totowa: Humana Press 2001; 279–294.
2. Lo JC, Tyrrell JB, Wilson CB: Corticotroph adenomas. In: Thapar K, Kovacs K, Scheithauer BW und Lloyd RV, eds.: Diagnosis and Management of Pituitary Tumors. Totowa: Humana Press 2001; 317–332.

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Quabbe
Auguststraße 18
12209 Berlin

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