ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2003Kongressbericht: Onko-Imaging ermöglicht frühe Intervention

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Kongressbericht: Onko-Imaging ermöglicht frühe Intervention

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): A-641 / B-546 / C-516

Vogl, Thomas J.; Balzer, Jörn; Mack, Martin

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LNSLNS Onko-Imaging und Intervention war das Schwerpunktthema des dritten Frankfurter Interdisziplinären Symposiums zur Diagnostik und Intervention (FISI 2002), das vom 27. bis 28. September 2002 stattfand. Im Rahmen der zweitätigen Fachtagung wurden in einer Reihe von Vorträgen die Anforderungen an die verschiedenen Techniken für die wesentlichen Tumorerkrankungsgruppen diskutiert.
Weitere Themen dieses Symposiums waren die unterschiedlichen diagnostischen Möglichkeiten und die jeweils daraus resultierenden Therapien bei Krebserkrankungen. Die Zielsetzung umfasste dabei die Erarbeitung von Leitkriterien zur optimalen diagnostischen und therapeutischen Strategie bei ausgewählten Tumorerkrankungen. Die breite Einführung moderner Magnetresonanztomographen (MRT) und Computertomographen (CT) ermöglicht die noch frühere Erkennung von Tumorerkrankungen. Diese Diagnoseverfahren, auch unter dem Begriff „Onko-Imaging“ positioniert, erfordern jedoch eine ständige Qualitätskontrolle und eine weitgehende Optimierung.
Für das Thema „Bronchialkarzinom“ stellte Thomas O. F. Wagner, Frankfurt, die aktuellen Anforderungen an die bildgebenden Verfahren aus Sicht des Pneumonologen dar. Die Fragestellungen betreffen dabei die Optimierung der bildgebenden Diagnostik insbesondere bezüglich des Einsatzes der Mehrschicht-Computertomographie und der Nieder- wie auch Hochfeld-MR-Tomographen (MRT). Neben dem primären Staging entsprechend der TNM-Klassifikation werden weitere Verbesserungen der Korrelation des klinischen Stadiums mit dem pathologischen Staging betont.
Stefan Diederich, Münster, legte die derzeitige Situation zum Screening des Bronchialkarzinoms mittels Computertomographie dar und betonte die mangelhaften Studienkonzeptionen in Deutschland versus Daten aus Japan und den USA. Ein integrativer Bestandteil des modernen Diagnostikkonzepts liegt auf dem Einsatz der treffsicheren, CT-gestützten Biopsieverfahren insbesondere bei peripher gelegenen Rundherden. Minimalinvasive Therapieverfahren wie die Laserablation oder die Radiofrequenzablation werden im Rahmen von Studien präsentiert.
Interdisziplinarität hat erste Priorität
Die Malignome der Kopf-/Halsregion mit dem Fokus auf der Pharynxregion werden bezüglich der Diagnostik interdisziplinär bearbeitet. Neueste Daten aus der Chirurgie und Onkologie belegen, dass der frühzeitigen Rezidivdiagnostik mittels bildgebender Verfahren eine entscheidende Bedeutung zukommt.
Eine weitere Optimierung der technischen Parameter der Schnittbilddiagnostik wie auch höhere Anforderungen an das Qualitätsmanagement sind notwendig. Eine besondere Rolle im „Onko-Imaging“ kommt der Diagnostik der weiblichen Brust zu. Hier stellte Manfred Kaufmann, Frankfurt, die neuen Konzepte zur Etablierung von Brustkliniken wie auch die aktuellen Standards der Leitlinien zur Mammadiagnostik vor.
Uneingeschränkt wird das flächendeckende Mammographie-Screening befürwortet, jedoch wird auf die resultierenden diagnostisch-therapeutischen Maßnahmen hingewiesen. Dies betrifft insbesondere die notwendige Expertise zu bildgesteuerten Biopsieverfahren mittels Ultraschall, Stereotaxie und Magnetresonanztomographie berichteten Christiane Kuhl, Bonn, und Thomas Diebold, Frankfurt. Die weitere Etablierung der klinischen Mammographie mittels Speicherfolientechnologie oder Vollfeld-Digitaltechnik resultiert in einer 20- bis 30-prozentigen Reduktion der Strahlenexposition bei gleicher diagnostischer Ausbeute und ermöglicht neue Chancen und verbesserte diagnostische Treffsicherheiten durch Computer-assistierte Diagnosetechniken (CAD-Systeme) erklärte Eckhardt Grabbe, Göttingen.
Eine weitere Verbesserung der Diagnosemöglichkeiten von Tumoren des Urogenitaltraktes insbesondere von Niere und Prostata sind nach Ansicht von Bernd Hamm und Roland Felix, Berlin mit breiter Einführung der Mehrschicht-Computertomographie (MSCT) wie auch hochauflösender MR-Verfahren zu erwarten. Jedoch müssen diese bildgebenden Verfahren in einem diagnostischen Algorithmus integriert werden, der eine möglichst schnelle und präzise Therapieplanung ermöglicht. Auf die Limitationen bei der Diagnostik des Prostatakarzinoms im frühen Stadium wurde hingewiesen. Verschiedene Arbeitsgruppen aus Frankfurt zeigten neue Wege mittels endorektaler MR-Tomographie und MR-Spektroskopie auf.
Das Pankreaskarzinom wird weiterhin in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Ein kurativer, operativer Eingriff ist hier nur bei einer begrenzten Patientenzahl indiziert. Auf die Notwendigkeit einer exakten chirurgisch onkologischen Therapieevaluation wies Wolf O. Bechstein, Frankfurt, hin. Im Fokus liegen jedoch die palliativen Behandlungskonzepte wie „best supportive care“ und die systemische Chemotherapie, aber auch interventionelle Strategien wie die selektive interarterielle Chemoperfusion und die Plexus- coeliacus-Blockade als schmerztherapeutisches Konzept.
Für Patienten mit Leberzirrhose deutete Stefan Zeuzem, Homburg/Saar, auf die notwendigen Anstrengungen zu einem verbesserten Screening für das Vorliegen eines primär hepatozellulären Karzinoms. Dies betrifft den Einsatz der hochauflösenden Sonographie wie auch der Magnetresonanztomographie mit neuen eisenhaltigen, superparamagnetischen Kontrastmitteln. Eine erweiterte Bedeutung kommt der Therapie der minimalinvasiven, palliativen Verfahren zu wie der transarteriellen Chemoembolisation als Therapieoption in der Wartezeit vor Lebertransplantation. Überzeugende Ergebnisse wurden vorgestellt zum Einsatz thermoablativer Verfahren wie der laserinduzierten Thermotherapie (LITT) insbesondere für Patienten bei fehlender Resektabilität.

Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Thomas J. Vogl
Institut für Diagnostische und
Interventionelle Radiologie
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt
E-Mail: T. Vogl@em.uni-frankfurt.de

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