ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2003Disease-Management-Programme: Hausärztlicher Sündenfall

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Disease-Management-Programme: Hausärztlicher Sündenfall

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): A-585 / B-501 / C-473

Gerst, Thomas

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LNSLNS Gerade liegt ein erster Rohentwurf für das „Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz“ auf dem Tisch, da demonstriert der Hausärzteverband (BDA) Hessen, wie man das Vertragsmonopol der Kassenärztlichen Vereinigungen bereits auf Grundlage der bestehenden Rechtslage aushebeln kann. Als erster Berufsverband unterzeichnete der BDA Hessen eine Rahmenvereinbarung mit den Landesverbänden der Krankenkassen über die Durchführung eines DMP Diabetes mellitus, an dem jeder Hausarzt in Hessen teilnehmen kann. Vertragspartner der Krankenkassen bei den bis dahin vereinbarten, allesamt aber vom Bundesversicherungsamt noch nicht akkreditierten DMP-Verträgen sind ausschließlich Kassenärztliche Vereinigungen, obwohl nach DMP-Rechtsverordnung die Krankenkassen ihre Vertragspartner frei wählen können.
Unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten ist der hessische Vertragsabschluss ein Desaster für die kassenärztliche Selbstverwaltung, zeigt er doch, dass die gemeinsame Vertretung der haus- und fachärztlichen Interessen kaum noch zu realisieren ist. Dabei war es doch gerade der innerärztlichen Disziplinierung zu verdanken, dass nach mühsamen Verhandlungen zum Jahresbeginn noch wesentliche Zugeständnisse des DMP-Verordnungsgebers in Fragen des Datenschutzes und des Dokumentationsaufwands erreicht werden konnten. Die viel beschworene ärztliche Solidarität zeigt nach dem Vorpreschen der hessischen Hausärzte auch nach außen hin deutli-
che Brüche. So sehr möglicherweise regionale Besonderheiten zu dem Vertragsabschluss geführt haben mögen – klar ist, wohin die Reise gehen wird.
Die Krankenkassen werden bei künftigen DMP-Vertragsverhandlungen verstärkt auf das hessische Modell setzen, sobald mit den KVen keine Verständigung über DMP-Inhalte erzielt werden kann. Zu befürchten ist, dass dann hochwertige Versorgungsangebote auf der Strecke bleiben und es zu Vertragsabschlüssen mit dem günstigsten Anbieter kommt, die sich lediglich an den vorgegebenen Mindeststandards für die Chroniker-Versorgung orientieren. Thomas Gerst
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