ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 1/2003Füssener Land: Des Königs liebster Aufenthalt

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Füssener Land: Des Königs liebster Aufenthalt

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): [18]

Westrich, Hans Georg

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Schloss Neuschwanstein bei Füssen Fotos: Hans Georg Westrich
Schloss Neuschwanstein bei Füssen Fotos: Hans Georg Westrich
Das Schloss Neuschwanstein zieht zwischen Seen, Allgäuer Wiesen und 2 000 Meter hohen Bergen jedes Jahr eine Million Touristen an.

Das Füssener Land ist Königsland. König Ludwig II. vor allem, Herrscher über Bayern von 1864 bis 1886, ist unvergessen. In den Gasthäusern wird König-Ludwig-Dunkel serviert, von jedem Postkartenständer lächelt der verblichene Monarch mit verträumten Augen und lockigem Haupt. Der frühe, geheimnisvolle Tod im Starnberger See gibt bis heute Rätsel auf. Vergiftet, ermordet, ertrunken? Auch der schon betagte Film mit O. W. Fischer in der Rolle des unglücklichen Königs gibt keine Antwort.
Steinerne Dokumente der königlichen Herrschaft sind seine Schlösser: Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein, geheimnisvoll und majestätisch vor den Lechtaler Alpen aufsteigend, eine mittelalterliche Ritterburg aus dem 19. Jahrhundert.
Von König und Theatermaler geplant
Vom König ersonnen und vom Theatermaler geplant, bis heute nicht vollendet und trotzdem anziehend genug für jährlich mehr als eine Million Besucher. Eine Stunde zu Fuß ist das Schloss von Füssen entfernt, vom benachbarten Schwangau nur wenige Minuten. Wir sind früh auf den Beinen. Die Morgennebel hängen wie weiße Fahnen um die schlanken Türme, und noch ziehen keine Prozessionen von Touristen den Burgberg hinauf. Herr Hiltpolt von Schwangau begrüßt uns als Brunnenfigur neben dem Parkplatz – ein Urahn des Schlosserbauers, der schon im Mittelalter als Minnesänger den felsigen Sitz berühmt machte. Nur mit Führung werden Gruppen eingelassen. Die Japaner sind schon drin, auch die Amerikaner, doch im Thronsaal sehen wir uns wieder. Vielfach sind die Wände bemalt, Gold und Brokat, Stuck und Marmor sind reichlich. Im Thronsaal Symbole des Gottgnadentums der bayerischen Könige: Über der Stelle des Thrones, der wegen der geistigen Umnachtung des Königs nicht mehr aufgestellt wurde, wachen die zwölf Apostel. Darüber heilig gesprochene Könige, im Gipfel der Deckenwölbung dann Jesus Christus, alles im Stil byzantinischer Mosaiken. Beeindruckend sind die Blicke nach draußen zwischen den neoromanischen Bögen hindurch auf Forggensee und Bannwaldsee, auf Schwansee und Alpsee mit Schloss Hohenschwangau. Dort hat der König seine Jugend verbracht.
In den Räumen ist – unsichtbar – Richard Wagner gegenwärtig, dessen Musik er liebte. Die Wandbilder zeigen Szenen aus Wagners Opern, die auch Bilder aus der deutschen Sagenwelt sind. Da zieht Lohengrin mit seinem Schwan dahin, Parzival sucht als Ritter seine Gralsburg; die Bühne des Sängersaales ist als Klingsors Zauberwald gestaltet. Wenn auch der König tot ist, seine Idee lebt weiter.
Alljährlich finden im Sängersaal Konzerte und Theateraufführungen statt.
Der Tegelberg ruft
Einmal das Füssener Land von oben sehen! Die Stadt mit dem barocken Kloster St. Mang und den markanten Türmen des Hohen Schlosses. Einmal den Lech mit Blicken verfolgen, wie er, aus den Lechtaler Alpen kommend, im Forggensee verschwindet. Oder das barocke Kirchlein St. Coloman inmitten der saftigen Allgäuer Wiesen mit den Seen im Hintergrund. Vom Säuling aus wär’s möglich, der mit 2 047 Metern alles überragt. Doch da ist der Anstieg zu schwierig. Auf also zum Tegelberg, wo eine Kabinenbahn bis auf 1 720 Meter hinaufschwebt, um je nach Jahreszeit die Skifahrer oder Bergwanderer zu beglücken. Ein bisschen stockt schon der Atem, als wir die startbereite Bergbahn an den dünnen Seilen sehen. Fast neunhundert Meter geht es über schroffe Felsen hinweg steil an der Wand hinauf. Ein Klingelzeichen ertönt, sanft schweben wir aus der Talstation heraus. Wir gewinnen schnell an Fahrt, es geht dicht über die Köpfe der Kühe hinweg, dann fliegen wir auf
die Felswand zu. Noch liegt Neuschwanstein über uns, schnell sind wir auf gleicher Höhe, und jetzt schweben wir über Türme und Erker hinweg. Vor uns sind nur noch die schroffen Felsen zu sehen.
Tief unter uns schwanken die Wipfel der Fichten, in der Ferne tauchen Forggensee und Hopfensee auf.
Mit dem Fernglas tasten wir die Zugspitze ab. Da ist das Schneefernerhaus, der Gipfel, die Zahnradbahn. Dann der Blick ins Land unter uns, den „Königswinkel“ mit seinen beiden Schlössern und den vielen Seen. Die sanften Hügel des Allgäus liegen unter uns, Schwangau, Füssen, Hopfen am See. Wie die Adler fühlt man sich hier oben.
Drachen am Himmel
Dutzende von Drachen liegen auf den Wiesen und Matten rund um das Tegelberghaus, dreißig, vierzig, fünfzig vielleicht. Der Tegelberg ist eine beliebte Station für Drachenflieger und Paraglider. Eine günstige Thermik am Alpenrand und der mühelose Transport der Sportgeräte mit der Bergbahn locken internationales Publikum an. Alle paar Minuten gleitet einer der bunten Vögel von der Startrampe ab ins Nichts, um dann stundenlang über Seen und Schlösser zu kreisen. Unter uns sind sie, über uns sind sie, und hin und wieder huscht ein dunkler Schatten über unsere Köpfe hinweg. Hans Georg Westrich

Reise-Tipps
Tourist Information Schwangau, Rathaus, Münchener Straße 2, 87645 Schwangau, Telefon: 0 83 62/8 19 80, Fax: 0 83 62/81 98 25,
E-Mail:info@schwangau.de, Internet: www. schwangau.de.
Schloss Neuschwanstein, Schlossverwaltung Neuschwanstein, Neuschwansteinstraße 20, 87645 Schwangau, Telefon: 0 83 62/8 10 35 und 8 18 01, Fax: 0 83 62/89 90. Musical König Ludwig II. „Sehnsucht nach dem Paradies“, Aufführung am Originalschauplatz gegenüber den Königsschlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau. Preise von 90
bis 120 Euro. Ticketservice: Hotline: 0 18 05-58 39 44,
Internet: www.ludwig-musical.com.
Tegelbergbahn: Tegelbergstraße 33, 87645 Schwangau, Telefon: 0 83 62/9 83 60, Fax: 0 83 62/98 36 20,
E-Mail: info@tegelbergbahn.de.
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