ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2003Edinburgh und Glasgow: Zwischen Gestern und Heute

Supplement: Reisemagazin

Edinburgh und Glasgow: Zwischen Gestern und Heute

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): [22]

Rabbata, Samir

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Edinburgh im Jahr 1828: In schwarze Gewänder gehüllte Gestalten eilen bei mondloser Nacht durch die verwinkelten Gassen der Altstadt. Unter ihren weiten Mänteln blitzen Hacken, Schaufeln und Brechstangen hervor. Es ist die Nacht der „Body Snatcher“ – der Leichenräuber, die seit langem auf Edinburghs Friedhöfen ihr Unwesen treiben.
Die gruseligen Gesellen waren keine Satanisten oder Grabräuber. Es waren angehende Ärzte, die im Schutz der Dunkelheit nach frischen Gräbern suchten, um gerade Bestattete zu exhumieren. Nachschub für den bekannten Chirurgen Dr. Robert Knox, zu dessen Anatomievorlesungen junge Studenten aus dem ganzen Land in die Medical School der Universität von Edinburgh strömten. Später halfen Leichenhändler schon mal nach, um den steigenden Bedarf der Studenten an menschlichen Körpern zu decken.
Gruselgeschichten
Edinburgh im Jahr 2003: Wieder eilen schwarz vermummte Studenten mit Kapuzenmänteln durch die dunklen Gassen der „Old Town“. Kunststudent Adam ist einer von ihnen. In seiner Freizeit arbeitet er als Fremdenführer bei der beliebten „Witchery Tour“. Die Geschichte von den „Body Snatchern“ ist nur eine von vielen gruseligen Anekdoten, die Adam bei seinen abendlichen Stadtrundgängen erzählt. Inmitten der alten verwinkelten Wohnhäuser mit ihren dunklen Höfen und steilen Treppen und dem Gewirr der engen Gassen fällt es den Zuhörern nicht schwer, sich in die schauerliche Vergangenheit der schottischen Hauptstadt zurück zu versetzen.
Bei Tageslicht betrachtet, vereint Edinburgh die Reize der Vergangenheit mit den Vorzügen einer modernen, weltoffenen europäischen Metropole. Kein Wunder, dass mancher Tourist meint, er besuche in Wirklichkeit zwei Städte. Edinburgh Castle, auf einem hohen Felsen gelegen, beherrscht das Stadtbild, das geprägt wird von der „Old
Town“ und von der ab etwa 1750 mit breiten, eleganten Straßen und grünen Plätzen angelegten „New Town“. Im Zentrum formen die zerklüfteten, steil emporragenden Reste eines längst erloschenen Vulkans Edinburghs schönste Aussichtspunkte: die Hügel von Costorphine und Calton Hills, Arthur’s Seat und Castle Hill.
Golf: in Schottland seit rund 600 Jahren ein Volkssport Fotos: Greater Glasgow & Clyde Valley (Tourist Board)
Golf: in Schottland seit rund 600 Jahren ein Volkssport Fotos: Greater Glasgow & Clyde Valley (Tourist Board)
Kultur-Highlights
Der Besuch der National Gallery of Scotland, einer der bekanntesten Kunstgalerien Europas, gehört ebenso zum Programm der meisten Edinburgh-Besucher wie die Besichtigung der mittlerweile außer Dienst gestellten königlichen Jacht Britannia. Seit Oktober 1998 können Interessierte das stattliche Schiff, mit dem die Royal Family mehr als vierzig Jahre lang die Weltmeere bereiste, im Hafen von Edinburgh besichtigen.
Neben zahlreichen kulturellen Highlights, wie der Scottish National Gallery of Modern Art mit einer Sammlung zeitgenössischer Kunstwerke sowie der National Portrait
Gallery mit Abbildern der schottischen Königin Mary Stuart, des Dichters Robert Burns oder Dr. John Knox, findet sich in und um Edinburgh einiges, was die Natur an Außerordentlichem zu bieten hat, vereint. Gebirgsketten im Norden und Süden, das Meer im Osten und das saftig grüne Tiefland im Westen.
Grün sind auch die Golfanlagen in der Umgebung der Metropole, die man im Heimatland des grünen Sports fast ebenso häufig antrifft wie in Deutschland Fußballplätze. Golf ist in Schottland seit rund 600 Jahren ein Volkssport – kein Wunder also, dass hochkarätige Plätze in fast jeder Gemeinde liegen. Touristen, die im Urlaub ihren Abschlag trainieren wollen, können in einem der zahlreichen Golfhotels absteigen. So bietet das Marriott Dalmahoy Hotel die Möglichkeit, Sport und Stadturlaub zu verbinden. Reizvoll: Das moderne Sporthotel ist in einem knapp 300 Jahre alten schottischen Herrenhaus (The Baronial Manor House of Dalmahoy) untergebracht.
Nur 70 Kilometer liegen zwischen Edinburgh und Glasgow. Die quirlige Metropole mit ihren rund 620 000 Einwohnern wirkt sehr viel schnörkelloser und urbaner als das benachbarte Edinburgh. Noch immer gilt die Arbeiterstadt als etwas schmuddelig und von den Auswüchsen der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts gezeichnet. Dabei ist die Innenstadt mit ihren viktorianischen Sandsteingebäuden längst von ihrem Ruß- und Abgasmantel befreit und erscheint wieder im Originalockerton oder in den warmen Farben des heimischen Buntsandsteins. Glasgow bietet rund 40 Galerien und zahlreiche Parkanlagen. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehört die einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Kathedrale Schottlands.
Modernes Glasgow: Festivals
Das Science Centre steht dagegen für das moderne Glasgow. Zu ihm gehören das einzige Imax-Kino Schottlands und eine Science Mall, mit mehr als 300 naturwissenschaftlichen Ausstellungen. Außerdem wartet Glasgow mit einer Vielzahl an Festivals und Vorführungen auf. Die „Celtic Connections“ bieten keltische Musik wie auch zeitgenössischen Folk-Rock. Typisch schottisch: Im Sommer werden die Weltmeisterschaften im Dudelsackspielen und die Highland Games ausgetragen. Samir Rabbata

Reise-Tipps
Auskunft: Visit Scotland, Schottisches Fremdenverkehrsamt (www.visitscotland.com)
Anreise: Glasgow und Edinburgh werden von Deutschland direkt angeflogen. Mit dem irischen „Billigflieger“ Ryanair kommt man schon für 9,99 Euro vom Flughafen Hahn im Hunsrück nach Glasgow-Prestwick (etwa 35 Kilometer südwestlich von Glasgow). Die Lufthansa fliegt von Frankfurt am Main nach Glasgow und Edinburgh.
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