Supplement: Reisemagazin

Kenia: Masai, Märkte und Moscheen

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): [24]

Schumacher, Barbara

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Dank eines speziellen Programms der Regierung wurde ich mit Polizeigewalt aus dem Kral in die Schule verfrachtet“, so John Keen Roimen (26), groß, gertenschlank, stolz und unnahbar wirkend im roten Masai-Gewand und mit seinem Stock, den er wie ein Zepter trägt. Tagsüber verkauft er am Nyali Beach zusammen mit seinen Stammesgenossen handgefertigten Masai-Schmuck, und abends treten die 15 „Amboseli Masai-Dancers“ im Safari Inn mit ihren Tänzen auf, die John als einziger, fließend englisch Sprechender und Chef der Gruppe, den Zuschauern erklärt: „Wir benutzen keine Musikinstrumente – unsere Tänze werden begleitet vom eigenen Gesang und für unseren Stamm typischen Lauten.“ Umheimlich wirkende, bislang nie vernommene Töne spornen die Männer zu hohen, Gazellen-ähnlichen Sprüngen aus dem Stand an, bei stocksteifer Körperhaltung mit Stab, Speer oder Schild.
Mombasa, mit Brücke nach Norden und Likoni-Fähre nach Süden zum Festland verbunden, ist als Hafenstadt ein Schmelztiegel verschiedener Rassen und Religionen. Moscheen, Hindu-Tempel und Kirchen, das legendäre Fort Jesus am alten Hafen, Straßenzüge und enge Gassen mit Holzbalkonen an den zum Teil verfallenen Häusern bieten ein exotisches Bild, das seinen farbenfrohen Höhepunkt im Gewimmel um die große Markthalle findet, in der die Händler auf Tischen sitzend ihre Waren anbieten. Der Singsang des Muezzin stört die Geschäftigkeit nicht. Im Fastenmonat Ramadan nehmen alle Rücksicht auf die Muslime: Man sieht niemanden, der in der Öffentlichkeit isst, trinkt oder raucht.
Alex Mwa rema ist kundiger Führer im Fort, das 1593 von den Portugiesen an strategisch optimaler Stelle auf einem Korallenfundament im Naturhafen erbaut wurde. Heute hat es überall Patina angesetzt. Ein ein Meter dicker Wall aus Korallenbrocken und Sandstein, wobei die Lücken früher mit Honig gefüllt waren, umgibt das Gemäuer, Schauplatz schauriger Geschichten vom Tod vieler und Überleben weniger, bis die Omanis, dann 1825 die Briten das von dem italienischen Architekten Joe Banisto Callerato entworfene Bauwerk übernahmen und die kenianische Regierung 1958 daraus ein Gefängnis machte. Heute beherbergt es das Nationalmuseum mit Exponaten aus der Zeit des Sklavenhandels und der maritimen Vergangenheit der Seefahrernationen Oman, Indien, Indonesien, China, die Handel mit Elfenbein, Gewürzen und Porzellan trieben.
Masai-Krieger und Masai-Frauen sind neben den Löwen, Elefanten und Giraffen die häufigsten Motive der Holzschnitzer vom Akamba-Stamm im sehenswerten Akamba Handicraft Center. „Einen Monat lang schnitze ich an der Masai-Frau“, so Morri Nzioka Mulu. „Die Schnitzkunst wird seit Generationen in unserer Familie weitervererbt.“ Steve Kitili hat sich auf Elefanten spezialisiert. „Wir kaufen das Holz – Mahagoni, Teak, Neem, Yacaranda und Ebenholz – von der Kooperative.“ Diese besteht schon seit 30 Jahren und bietet Platz in Schatten spendenden, makutigedeckten Hütten für 4 000 Künstler. Fleißig wird gehackt, gesägt, geschnitz
Likoni- Fähre: auf dem Weg zur Südküste und zu den Märkten Fotos: Harald Clade
Likoni- Fähre: auf dem Weg zur Südküste und zu den Märkten Fotos: Harald Clade
t, bemalt – in einer gelöst scheinenden Atmosphäre unter Freunden, die Konkurrenten sind, deren Werke allesamt in der großen Verkaufshalle landen. Den Frauen obliegt es, fertige Figuren mit Schmuck zu verzieren.
Am Strand gibt es das tägliche Schauspiel von Ebbe und Flut – vom erhöht gelegenen Pavillon zu überschauen. Hier ist auch der beste Platz, um den sich im feuchten Sand und in Wasserlöchern spiegelnden Vollmond zu beobachten, der als riesige Orange dem Meer entsteigt. Bei Ebbe hocken die Fischer auf ihren gestrandeten Dhaus. Die Kinder sind in ihrem Element und stöbern mit Stöcken Tintenfische auf. Gefangene Fische werden direkt am Strand ausgenommen. Fischreiher staksen durch das seichte Wasser und machen reiche Beute. Die Händler
haben ihre oftmals naiven Gemälde – Sonnenuntergänge und Masai-Krieger – sowie die Holzfiguren Elefanten im „Gänsemarsch“ aufgebaut, ein freundliches „Jambo“ lädt zum Schauen und Kaufen ein.
Mit dem Boot geht es in den Mutuapa Creek (20 Kilometer langer Meeresarm) hinein. Marinas für Dhau-Touren, Villen, kleine Hotels säumen das mit Mangrovenbäumen bewachsene Ufer, ein Paradies für Krabben und Austern. Hinter jeder Biegung wechselt die üppig grüne, hügelige Landschaft: Felsen, kleine Strände, hoch aufragende Palmen und weit ausladende Baobabs recken sich schwarz in den vom Sonnenuntergang blutroten Himmel. Beim Casa Albar gehen wir an Land. Das Abendessen wird vorbereitet, während die Gäste Hütten der verschiedenen Stämme besichtigen können. Die Masai-Frau zeigt die Feuerstelle und ihren handgefertigten Schmuck. Changa (31) ist Mganga (Medizinmann) vom Stamm der Giriama. Seine Hütte besteht aus getrockneten Palmblättern; drinnen befindet sich ein Maislager. „Der Mais wird geröstet, der Rauch vertreibt die Moskitos.“ An der Decke sind mehr als 50 verschiedene pflanzliche Mittel gegen Asthma, Potenzprobleme, Schlangenbisse, neben einer Pythonschlangenhaut aufgehängt. Gegen Husten hat er Baumrinde, die so abscheulich riecht, dass sie garantiert hilft. Wir gelangen in den Genuss einiger musikalischer Kostproben auf einem waschbrettähnlichen Instrument und hören ohrenbetäubende Töne auf dem Horn einer Antilope. Die von ihm gebastelte Rattenfalle schnappt tatsächlich zu, als ich nach dem Stück Käse greife.
Der Rauch des mächtigen Lagerfeuers steigt in den klaren, afrikanischen Sternenhimmel. Vor einem Baobab treten bei Mondschein die Tänzer und Musiker der afrikanischen Nacht auf. Wir sehen Kriegs- und Hochzeits-
tänze und die Vorführung der Kikuyu, die die Beschneidungszeremonie eines Jungen darstellt. Höhepunkt ist der Auftritt der Masai, bei dem auch zwei Frauen mit wogendem Halsschmuck teilnehmen. Barbara Schumacher

Anzeige
Reise-Tipps
African Safari Club (Kontakt über Reiseservice Ostafrika – Olaf Fey, Telefon: 0 84 42/99 64 68) bietet mit African Safari Airways Non-Stop-DC-10-Flüge, zum Beispiel von Frankfurt nach Mombasa und Unterkunft in Hotels verschiedener Kategorien. Ebenso fliegt LTU jede Woche nach Mombasa: ab 700 Euro. Besonders empfehlenswert sind die Hotels Baobab (TUI) und bei Thomas Cook das Viersternehotel LTI-Kaskazi Beach all inclusive (pro Tag ab 30 Euro) am Diani Beach. Safari-Luxus-Camp: Finch Hatton’s im Tsavo-West-Nationalpark (pro Tag VP für zwei Personen: 375 Euro).
Malaria-Prophylaxe wird empfohlen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema