Supplement: Reisemagazin

Jetlag: Syndrom der Zeitverschiebung

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): [30]

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Fotos: SAS, Eberhard Hahne
Fotos: SAS, Eberhard Hahne
W enn nach Langstrekkenflügen die „innere biologische Uhr“ nicht mehr mit der Ortszeit übereinstimmt, geraten wichtige Körperfunktionen in
Unordnung. Der menschliche Körper verfügt über einen eigenen Biorhythmus, der rund 25 Stunden lang ist. Zeitverschiebungen machen müde, stören Konzentrationsfähigkeit, Denkleistung und Verdauung. Der Jetlag zerrt an Kraft und Ausdauer und vermindert die Koordinationsfähigkeit. Die Folgen: Schlafstörungen, Erschöpfungszustände und Verdauungsprobleme. Die „innere Uhr“ des Menschen wird durch Hirnfunktionen und den Hormonhaushalt gesteuert. Es kann zwei bis fünf Tage dauern, bis sich der Körper an einen neuen Tag-NachtRhythmus gewöhnt hat. Die Zeitverschiebung bei einem Flug nach Osten (Tagverkürzung) verursacht deutlich stärkere Gesundheitsstörungen als ein Flug nach Westen (Verlängerung des Tages). So gewöhnt sich der Körper nach einem Flug in den Westen um 20 Prozent schneller an die neue Tageszeit. Das Organsystem benötigt rund 24 Stunden, um zwei Stunden Zeitverschiebung zu kompensieren.
Es gibt probate Rezepte, um den durch Jetlag bedingten Störungen vorzubeugen. Die Zeitumstellung kann schon vor dem Flug durch längere oder kürzere Schlafphasen vorbereitet werden, indem man sich möglichst frühzeitig und auch während des Fluges auf die Lokalzeit des Reisezieles einstellt. Dort sollte man einen Ruhetag einlegen sowie im Hellen und an frischer Luft Sport treiben.
Es ist wichtig, zu den örtlichen Nachtzeiten ausreichend zu schlafen und sich gesundheitsbewusst zu ernähren. Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel machen müde, eiweißreiche Nahrungsmittel beleben die Körperfunktionen. Außerdem sollte man während des Flugs ausreichend trinken und auf Alkohol verzichten. Schlafmittel eignen sich nicht dazu,
den Körper an die Zeitumstellung zu gewöhnen.
Melatonin, einem kör-pereigenen Hormon, wird oft eine große Bedeutung beigemessen. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht bewiesen. Entsprechende Präparate können in fremden Ländern teilweise ohne Einschränkungen gekauft werden. Oftmals sind sie von sehr unterschiedlicher Qualität und können verunreinigt sein.
Melatonin ist ein Hormon und kann unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Bis zum endgültigen Nachweis seiner Wirksamkeit sollten Reisende auf das Mittel zur Behandlung von Jetlag bedingten Störungen verzichten.
Weitere Informationen im Internet unter: www.reise vorsorge.de.
Dr. med. Hans-Jürgen Schrörs
Arzt für Allgemeinmedizin
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