ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2003Biotechnologie – Japan: Ein nationaler Kraftakt soll den Anschluss herstellen

POLITIK

Biotechnologie – Japan: Ein nationaler Kraftakt soll den Anschluss herstellen

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): A-610 / B-520 / C-492

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Im Bereich der Biotechnologie setzen japanische Politiker
und Unternehmen – nach langer Anlaufphase –
auf internationale Kooperationen mit starken Partnern.

Obwohl Japan den drittgrößten pharmazeutischen Markt der Welt hat, ist die Biotech-Branche im Land der aufgehenden Sonne unterentwickelt. Es gibt derzeit nur 133 „Start-up“-Firmen, die etwa 4 000 Mitarbeiter beschäftigen. Diese (im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und Europa) geringe Zahl hat mehrere Gründe: Beispielsweise fehlt in Japan ein zentrales Organ, das – ähnlich der Max-Planck-Gesellschaft oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft – die nationale Forschung lenkt. Stattdessen spaltet sich die Kompetenz auf mehrere Ministerien auf, die jeweils unabhängig voneinander Gelder bereitstellen und eigene Forschungsinstitute betreiben.
Biologische Forschung betreiben unter anderem das Agrar-, Gesundheits-, Industrie-, Erziehungs- und Wissenschaftsministerium. Jedes Ministerium gibt Gelder als „Grants“ an einzelne Professoren, betreibt eigene Institute zur Grundlagenforschung und unterstützt auch halbkommerzielle Forschungsinstitute, in denen in Zusammenarbeit mit der Industrie anwendungsorientierte Grundlagenforschung betrieben wird. Diese halbkommerziellen Forschungsinstitute spielen eine wichtige Rolle im Transfer von Wissen und Technologie von den Universitäten zu den Firmen, die als Mitinvestoren an den Instituten teilhaben.
Auch die japanische Industrie hat sich spät der neuen Branche zugewendet: Erst im Jahr 2000 wurden Investmentfonds für das Biotechnologie-Venture-Business aufgelegt (Gesamtsumme etwa 100 Millionen Euro), um in junge Unternehmen zu investieren. Ob damit allerdings ein schnellerer Technologietransfer von den Instituten in die Industrie zu erwarten ist, wird von Insidern bezweifelt, denn die Zusammenarbeit zwischen öffentlich geförderter Forschung und Industrie ist in Japan weit weniger ausgeprägt als im Westen.
Wegen der nur spärlich ausgebildeten „Gründerszene“ im eigenen Land tendieren große japanische Unternehmen dazu, auf internationaler Ebene zu kooperieren. Beispiele sind Abkommen zwischen Takeda und Celera Genomics, Sankyo und Incyte Genomics, Shionogi und Quark Biotech sowie Otsuka und Arena Pharmaceuticals. Kooperationen zu schaffen war auch das Ziel der Konferenz „Biotechnologie in Deutschland und Japan“, die im Dezember auf Einladung des Deutsch-Japanischen Wirtschaftskreises (DJW) in Berlin stattfand.
Pharmabranche in Konsolidierungsphase
Wie Osamu Watanabe, Vorsitzender der japanischen Außenhandelsorganisation JETRO, berichtete, gilt die Technologiestärke des ausländischen Partners als wichtigstes Kooperationsmotiv. Von insgesamt knapp 1 200 japanischen Unternehmenskooperationen entfallen etwa 50 Prozent auf die USA, 23 Prozent auf Europa und nur 21 Prozent auf Asien. Für die japanische Pharmaindustrie spielen internationale Kooperationen zum Aufbau innovativer Geschäftsfelder auch deshalb eine wichtige strategische Rolle, weil sich diese Branche derzeit in einer Konsolidierungsphase befindet.
„Inzwischen ist der Industrie und auch den japanischen Politikern be-
wusst geworden, dass es eines nationalen Kraftaktes bedarf, um in der Schlüsselindustrie Biotechnologie überhaupt noch ein Wort mitreden zu können“, so Watanabe in Berlin. Die Regierung versuche nunmehr mit verschiedenen Programmen, die Forschung und Entwicklung in diesem Sektor zu verstärken. Ihr Ziel: die Gründung von 1 000 neuen Biotech-Unternehmen bis zum Jahr 2010 . Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
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