ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2003Terminologie: Undifferenziert
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LNSLNS . . . Bedauerlich ist auch, wie undifferenziert Prof. von Wichert so völlig unterschiedliche Aspekte wie evidenzbasierte Medizin (EbM), Leitlinien, DMP und medizinische Technologiebewertung (HTA) in seinem Beitrag abhandelt. Es ist nicht der Raum in einem Leserbrief, auf die unterschiedlichen Wurzeln und Entwicklungslinien der skizzierten Entwicklungen hinzuweisen. So viel sei aber bemerkt: Prof. von Wichert fällt auf den Diskussionsstand der 1980er-Jahre zurück, wenn er physiologische Experimente und klinische Beobachtungen als deshalb erkenntnisleitend hervorhebt, weil diese Formen des Erkenntnisgewinns auch in anderen Wissenschaftsdisziplinen vorherrschend seien. Abgesehen davon, dass Metaanalysen auch z. B. in der Atomphysik oder in der Psychologie seit langem angewandt werden, war es gerade ein entscheidendes Argument der EbM, auf die „scientific evidence“ aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zurückzugreifen, weil diese sich als zuverlässiger (mit weniger Bias behaftet) erwiesen haben. Das hat auch nichts mit „Entwissenschaftlichung“ der Medizin zu tun, wie Prof. von Wichert darstellt. Die Durchführung, aber eben auch die kritische Bewertung klinisch relevanter RCTs erfordert eine weitergehende wissenschaftliche Qualifikation als die bloße Rezeption von Lehrbuchwissen. Gerade dies ist der edukatorische Effekt von EbM.
Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Perleth, MPH, AOK-Bundesverband, Dependance Berlin, Rungestraße 3–6, 10179 Berlin
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