ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2003Terminologie: Es gibt Nachholbedarf
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LNSLNS In seinem Beitrag entwickelt Prof. von Wichert ein Zerrbild der so genannten „evidence based medicine“, das dringend einer Richtigstellung bedarf:
Evidence based medicine (EbM) wird von ihren führenden Vertretern als „the process of systematically finding, appraising, and using contemporaneous research findings as the basis for clinical decisions“ definiert. Es handelt sich keineswegs – wie von Herrn Prof. von Wichert behauptet – um eine „Entwissenschaftlichung“ der Medizin, die Ärzte davon entbindet, sich „zu einem Problem ihres Patienten Gedanken (zu machen)“, und stattdessen dazu verführt, einfach nur „einer Studie (zu folgen)“. Vielmehr ist es ein Konzept, das versucht, durch eine Standardisierung des Vorgehens bei der Analyse wissenschaftlich erhobener Daten die Qualität von Therapieentscheidungen bei einzelnen Patienten zu verbessern. In diesem Prozess genießen randomisierte Studien zu Recht einen höheren Stellenwert als im Labor durchgeführte Experimente, ohne dass diese per se ausgeschlossen würden, wie Prof. von Wichert behauptet. Auch Metaanalysen haben in der EbM ihren festen Platz. Wer allerdings glaubt, dass eine Sammlung von nach definierter Methodik erstellter Metaanalysen – wie die der Cochrane Collaboration – medizinisches Lehrbuchwissen ersetzen kann, der wird in der Tat enttäuscht sein. Wer sie ihrem Ziel entsprechend zu nutzen weiß, nämlich als Plattform, die systematische Übersichtsarbeiten erstellt, aktuell hält und verfügbar macht, dem wird sie gute Dienste erweisen.
Teile des Konzeptes der EbM mögen nicht neu sein, wie Herr Prof. von Wichert richtig anmerkt. Dies allein schmälert aber nicht ihren Wert für die Zukunft der Medizin. Auch eine Rückbesinnung auf alte Tugenden kann ja von Zeit zu Zeit hilfreich sein! Ob alt oder neu, eine intensivere Um- oder zumindest Auseinandersetzung mit den Inhalten und Zielen der EbM kann die Gesundheitsversorgung in Deutschland nur voranbringen. Dass es hier durchaus Nachholbedarf gibt, sollten auch wir Ärzte nicht verschweigen.
Literatur beim Verfasser
Florian Buchkremer,
Jenaer Straße 7, 69214 Eppelheim
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