ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2003Wissenschaftsrat: Großer Regelungsbedarf

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Wissenschaftsrat: Großer Regelungsbedarf

Dtsch Arztebl 2003; 100(10): A-620 / B-529 / C-501

Schwering, Hans

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LNSLNS Mir scheint, dass hinsichtlich obiger Problematik die alte DDR einen guten Weg gewiesen hatte: Wie die Absolventen anderer Studiengänge, zum Beispiel in der Chemie oder der Biologie, erwarb der Medizinstudent mit dem abschließenden Examen den Grad eines „Dipl.-Med.“. Dieser Titel wies den Studienabsolventen als akademisch Graduierten aus; wer die Prämissen für die ärztliche Tätigkeit erfüllte, führte darüber hinaus den Titel „Arzt“.
Eine solche Regelung lässt ausreichend Spielraum für eine akademische Promotion. Die Problematik eben dieser akademischen Promotion aber ist vielschichtig.
Natürlich gibt es sie in seltenen Fällen, die Dissertationsthemen ohne wissenschaftlichen Wert und die so genannten Doktorarbeiten, deren Niveau dasjenige einer Diplomarbeit vielleicht nicht einmal errreicht. Beides dürfte aber heute zur Ausnahme geworden sein. Ein größeres Problem stellt die oftmals schlechte Betreuung der Doktoranden durch „Doktorväter“ dar, die sich eher als „Rabenväter“ erweisen. Aus eigener Beobachtung kenne ich Fälle, in denen Doktorväter die Ergebnisse ihrer Doktoranden selbst für ihre Karriere (z. B. Publikationen zum Zwecke der Erlangung einer außerplanmäßigen Professur) verwertet und sich dann nicht mehr um ihre Doktoranden gekümmert haben. Auch die Verwendung von Ergebnissen der Doktoranden für die eigene Habilitation ist nach meinen Beobachtungen schon vorgekommen, gelegentlich mit der Konsequenz, dass die Dissertation des Doktoranden im Sande verlief. Hier besteht meines Erachtens ein großer Regelungsbedarf . . .
Prof. Dr. med. Hans Schwering,
Marien-Hospital Euskirchen, Gottfried-Disse-Straße 40, 53879 Euskirchen
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