ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2003Psychologische Psychotherapie in der Schweiz: Status Wahlleistung

EDITORIAL

Psychologische Psychotherapie in der Schweiz: Status Wahlleistung

PP 2, Ausgabe März 2003, Seite 97

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Schweizer sehen sich nicht als Vorbild für eine Reform der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) in Deutschland. Dies verdeutlicht ein Artikel über das Gesundheitswesen in der Schweiz in diesem Heft (Seite 112). Nach den Vorstellungen von Prof. Dr. Dr. h. c. Bert Rürup, Vorsitzender der „Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme“, soll das „Schweizer Modell“ Pate stehen für eine solche Reform. Doch das Gesundheitswesen der Eidgenossen scheint nicht zum Import geeignet.
Psychologische Psychotherapeuten würden sich allenfalls wegen der Methodenvielfalt Schweizer Verhältnisse wünschen. Anerkannt ist eine Vielzahl psychotherapeutischer Methoden. Gerade die Vielfalt ist für die Schweizer ein Qualitätsmerkmal für die psychotherapeutische Versorgung eines Landes. Peter Schulthess von der „Schweizer Charta für Psychotherapie“, einem Dachverband, der für die Seriosität von Psychotherapiemethoden verantwortlich ist, wies beim Wiener Weltkongress für Psychotherapie im Juli 2002 darauf hin, dass die Schweizer wenig vom deutschen Trend zum „Einheitsbrei“ halten: „Wir staunen, dass der Mentalität, Psychotherapie solle höchstens drei Verfahren ausarbeiten, die für alle Menschen und alle Störungen wirksam sein sollen, nicht mehr Widerstand erwächst.“ Gerade eine plurale Gesellschaft und die Verschiedenheit der Menschen verlange unterschiedliche therapeutische Ansätze.
Die Möglichkeit, in eigener Praxis zu arbeiten, hat in der Schweiz weniger als die Hälfte der „nichtärztlichen Psychotherapeuten“. Der Begriff rührt von der Forderung des Schweizer Psychotherapeuten Verbandes (SPV), Zürich, her, auch andere Studienfächer als Psychologie für eine Ausbildung zum Psychotherapeuten zuzulassen. Die meisten nicht-ärztlichen Psychotherapeuten arbeiten im Angestelltenverhältnis in einer Arztpraxis. Grund: In der Schweiz ist ausschließlich die ärztliche Psychotherapie im Leistungskatalog der obligatorischen Grundsicherung enthalten. Nach Angaben von Dr. Franz N. Brander, Vorstandsmitglied des SPV, erhalten nicht-ärztliche Psychotherapeuten lediglich die Hälfte des Ärztehonorars. Die Bevorzugung der Ärzte beruht auf dem Freizügigkeitsgesetz von 1877, und „die Ärzte haben wenig Interesse, dies zu ändern“, so Brander. Eine Gesetzesänderung wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren erwartet.
Wer als nichtärztlicher Psychotherapeut in der Schweiz selbstständig in eigener Praxis arbeiten will, ist auf Honorare aus der freiwilligen Zusatzversicherung angewiesen. Doch der Trend gehe dahin, dass aus finanziellen Gründen immer weniger diese Versicherung abschließen, betont Brander. Schweizer Verhältnisse für Psychologen – sozialrechtlich besser nicht. Petra Bühring
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