ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2003Neue Therapieansätze bei Alkoholproblemen

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Neue Therapieansätze bei Alkoholproblemen

PP 2, Ausgabe März 2003, Seite 98

Mann, Karl

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LNSLNS Alkoholismus
Raus aus der Schmuddelecke
Karl Mann (Hrsg.): Neue Therapieansätze bei Alkoholproblemen. Pabst Science Publishers, Lengerich u. a., 2002, 302 Seiten, broschiert, 25 €
Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland sind vom Alkohol abhängig, etwa 42 000 sterben jährlich an den Folgen des Alkoholismus. In Behandlung befinden sich jedoch nur fünf Prozent der Alkoholabhängigen, während es bei den Drogenabhängigen etwa die Hälfte sind. Dieses Buch, das auf die Frühjahrstagung 2002 der Drogen- und Suchtbeauftragten der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, zurückgeht, stellt „neue Lösungsansätze für alte Probleme vor“, schreibt der Herausgeber Prof. Dr. med. Karl F. Mann, Inhaber des Lehrstuhls für Suchtforschung, Universität Heidelberg, in seinem Vorwort. Zusatzqualifikationen für Ärzte und Psychologen sollen diese dazu befähigen, Alkoholsucht frühzeitig zu erkennen und die nicht, beziehungsweise unterversorgten Alkoholkranken frühzeitig in Behandlung zu bringen. Mit diesem Thema beschäftigen sich die Beiträge von Hapke et al. sowie von Adrian von Allmen. Vor allem müsse suchtmedizinische Kompetenz in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten verankert werden, fordert der Beitrag von Böning et al. Gerade Kurzberatungen bei Hausärzten haben sich als besonders effektiv in der Frühintervention erwiesen. Da jedes fünfte Krankenhausbett de facto ein „Suchtbett“ ist, müsse auch die qualifizierte Beratung im Krankenhaus Standard werden. Zwei Beiträge von Mann et. al. und Soyka et al. beschäftigen sich mit dem „qualifizierten Entzug“, der als medizinische Sofortintervention beim Alkoholabhängigen Veränderungsbereitschaft und Motivation zur Abstinenz induzieren könne. Bisher wird der qualifizierte Entzug nur von vier Prozent der Alkoholabhängigen in Anspruch genommen – auch hier muss die Versorgung verbessert werden. Weiter fordern die Autoren der Beiträge, den Ausbau ambulanter und teilstationärer wohnortnaher Hilfsangebote voranzutreiben. Die Selbsthilfe, die den Erfolg der Behandlung sichert, soll so qualifiziert werden, dass sie auch für Jüngere attraktiv wird. Beschrieben werden Studien, die belegen, dass „Anticraving-Medikamente“, wie Naltrexon und Acamprosat, die Abstinenzrate verdoppeln und die Abhängigen länger in der ambulanten Betreuung halten können. Schließlich befassen sich Kerschl sowie Smolka et al. mit den Besonderheiten des „weiblichen Alkoholismus“, dessen Behandlung zum Teil andere Strategien erfordert. Insgesamt: Ein wichtiges Buch, das jedem Arzt oder Psychologen, der mit Alkoholkranken in Kontakt kommt, empfohlen werden kann. Petra Bühring
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