POLITIK

Nicht übertragbar

PP 2, Ausgabe März 2003, Seite 113

Hess, Rainer

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Foto: KBV
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Das Schweizer Modell wird von großen Teilen der Ärzteschaft in Deutschland insbesondere deswegen als interessante Alternative zum gegenwärtigen deutschen GKV-System angesehen, weil es eine Kostenerstattung der Kran­ken­ver­siche­rung für die vom Arzt unmittelbar gegenüber dem Versicherten mit festen Preisen berechneten ärztlichen Leistungen enthält. Ein Besuch in der Schweiz macht aber deutlich, dass auch ein solches System Struktur- und Finanzierungsprobleme hat. Zu ihrer Lösung werden dieselben – innerärztlich umstrittenen – Maßnahmen eingeführt beziehungsweise politisch geplant, die zurzeit auch in Deutschland, vom Sachleistungssystem ausgehend, diskutiert werden: Hausarzt-Modell, HMOs, Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Leistungen, Kopfbeiträge für Versicherte mit Selbstbehalt und Selbstbeteiligung.
Deswegen war es lehrreich, die in der Schweiz mit solchen Strukturen bereits gemachten Erfahrungen kennen zu lernen. Die häufig zu hörende Kritik der Schweizer am eigenen System überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass die Bürger der Schweiz die höchste Selbstbeteiligung in Europa für ihre gesundheitliche Versorgung zu tragen haben, die Ausgaben absolut und in ihren Steigerungsraten jedoch ebenfalls eine Spitzenposition in Europa einnehmen.
Für die Ärzteschaften beider Länder geht es vor allem darum, die Vorteile einer flächendeckenden wohnortnahen haus- und fachärztlichen Versorgung für alle Versicherten gegenüber bestehenden Tendenzen der Politik zur Aufhebung des Kontrahierungszwanges (für Deutschland: einheitliche Kassenzulassung) deutlich herauszustellen und dabei den Patienten die – in der Schweiz sehr viel deutlicher als bei uns gesehene – Gefahr einer Risikoselektion durch die Krankenkassen bewusst zu machen. In der Schweiz ist dies der Ärzteschaft bisher gelungen.
Die Erfahrungen mit HMOs und Hausarztmodellen sowie deren Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den Ärzten muss jedes Land selbst machen. Die Schweizer Ergebnisse sind wegen der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Systeme nicht 1 : 1 übertragbar.
Dr. Rainer Hess
Hauptgeschäftsführer
Kassenärztliche Bundesvereinigung
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