ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2003Akute Stressbelastungsstörung: Risikofaktoren

Referiert

Akute Stressbelastungsstörung: Risikofaktoren

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Nach Unfällen kann sich eine Akute Stressbelastungsstörung (Acute Stress Disorder; ASD) einstellen. Zu den typischen Symptomen gehören Dissoziation, Übererregung, Vermeidungsverhalten sowie intrusive Erinnerungen. ASD geht häufig einer posttraumatischen Stressbelastungsstörung voraus. Eine dänisch-schweizerische Forschergruppe befragte 323 Betroffene in einer Züricher Klinik und stellte fest, dass nur vier Prozent alle Symptome einer ASD zeigten. Die meisten litten jedoch mindestens unter einem der vier Hauptsymptome. Etwa die Hälfte klagte über Stress und starke Erregung, ein Drittel durchlebte immer wieder das Unfalltrauma, ein Viertel war von Dissoziation betroffen, und ein Fünftel zeigte Vermeidungsverhalten. Nach Meinung der Wissenschaftler sind die ASD-Betroffenen in der untersuchten Population unterrepräsentiert; ihre Zahl müsste höher sein. Bei der Analyse der Vulnerabilitätsfaktoren zeigte sich, dass Patienten, die starke Schmerzen haben, die schwer verletzt auf der Intensivstation lagen, die den Unfall als schwerwiegend einschätzen und sich vom Tod bedroht fühlten, am stärksten anfällig dafür waren, eine ASD zu entwickeln. Auch die Sorge um eine vollständige Wiederherstellung und der Gedanke, dass andere den Unfall hätten verhindern können, fördern die Entstehung von ASD. Die innere Widerstandsfähigkeit und psychische Erkrankungen vor dem Unfall haben einen geringfügigen Einfluss. Die Forscher betonen, wie wichtig eine wirksame Schmerzbehandlung ist, um ASD zu verhindern. Psychotherapie müsste vor allem bei den aversiven Gedanken und traumatischen Erfahrungen der Betroffenen ansetzen. ms

Fuglsan AK, Moergeli H, Hepp-Beg S, Schnyder U: Who develops Acute Stress Disorder after accidental injuries? Psychotherapy and Psychosomatics 2002; 71: 214–222.

Annette Kjaer Fuglsang, Institute of Psychology, University of Aarhus, Asylvey 4, DK-8240 Risskov (Denmark), Telefon: 00 45/89 42-49 85, Fax: 00 45/89 42-49 01, E-Mail: annet@psy.au.dk.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote