ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2003Gutachterverfahren: Relationen zurechtrücken

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Gutachterverfahren: Relationen zurechtrücken

PP 2, Ausgabe März 2003, Seite 130

Hallier, Norbert

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LNSLNS Nachdem es nicht gelungen ist, Kritiker eines höchst kritikwürdigen Verfahrens als psychisch gestört zu diffamieren, wird jetzt ein pseudowissenschaftliches Gutachten bemüht, durchgeführt von Gutachtern, gesponsert von der Gutachter-AG, welches unwiderlegbar nachweisen wird, in wessen wirtschaftlichem Interesse das Gutachterverfahren (GV) liegt. Diverse wissenschaftliche Untersuchungen, die diese Bezeichnung verdienen, weisen unabhängig voneinander nach, dass mindestens 20 Prozent der Bevölkerung an psychischen Erkrankungen leiden. 16 Millionen Menschen stehen, großzügig gerechnet, circa 12 000 Psychotherapeuten zur Verfügung, die jeder, noch einmal großzügig gerechnet, pro Jahr circa 20 Patienten behandeln können. Es werden also 1,5 Prozent der psychisch Erkrankten ambulant behandelt, 98,5 Prozent bleiben unbehandelt. Psychotherapeuten werden gezwungen, um überhaupt arbeiten zu dürfen, sich mit der verfassungs- und menschenrechtswidrigen Weiterleitung intimster Patientendaten permanent strafbar zu machen. Hiermit disqualifiziert sich das GV als rechtswidrig und obendrein kontraproduktiv, weil es das für den Heilungsprozess unerlässliche Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Therapeuten sabotiert. Die allen Verschreibungsrichtlinien entgegenstehenden tonnenweise Verordnungen von Psychopharmaka in Milliardenhöhe an psychisch Kranke, ohne dass diese einer ihrer Erkrankung adäquaten Therapie zugeführt werden, sind noch nie einer Prüfung auf Wirtschaftlich-, Zweckmäßig-, Notwendigkeit unterzogen worden, unter anderem weil sie diese niemals bestehen würden und noch ganz andere Wirtschaftsinteressen dahinter stehen.
Dipl.-Psych. Norbert Hallier,
Königstraße 123, 23509 Lübeck
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