ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2003Mammakarzinom: Wenn die Chemotherapie präoperativ beginnt

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Mammakarzinom: Wenn die Chemotherapie präoperativ beginnt

Dtsch Arztebl 2003; 100(11): A-722

Vetter, Christine

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LNSLNS Das Mammakarzinom gilt als systemische Erkrankung mit ungünstiger Prognose, sobald ein Rezidiv aufgetreten ist. Dennoch sollte die Situation nicht zu pessimistisch dargestellt werden. „Das 5-Jahres-Überleben nach dem ersten Rezidiv hat sich innerhalb von 25 Jahren von durchschnittlich zehn auf 40 Prozent gesteigert“, berichtete Prof. Manfred Kaufmann (Frankfurt/Main). Möglich wurden diese Erfolge vor allem durch Veränderungen in den Therapieschemata, die mittlerweile in Studien gesichert wurden.
Danach weisen Frauen, die im Rahmen klinischer Studien behandelt werden, offenbar bessere Überlebenschancen auf als diejenigen, die eine individualisierte Therapie erfahren. „Die Patientinnen sollten deshalb unbedingt nach der Möglichkeit einer Studienteilnahme fragen“, rät Dr. Gunter von Minckwitz (Frankfurt/ Main). Nur rund fünf bis sieben Prozent der Frauen mit Mammakarzinom werden derzeit im Rahmen von kontrollierten Therapiestudien behandelt.
Als größte deutsche Studiengruppe stellte der Mediziner die „German Adjuvant Breast Cancer Group“ (GABG) vor, in der mehr als 160 Kliniker – überwiegend aus gynäkologischen Abteilungen – zusammenarbeiten, um neue Ansätze zur Therapie und Prävention des Mammakarzinoms zu etablieren. Mehr als 9 000 Patientinnen wurden in den vergangenen 21 Jahren seit Bestehen der GABG im Rahmen klinischer Studien behandelt.
Als eine der erfolgreichsten Studien stellte von Minckwitz die GEPARDUO-Studie* vor, in der bei mehr als 900 Patientinnen gezeigt wurde, dass sich die Rate brusterhaltender Operationen deutlich steigern lässt, wenn die Frauen präoperativ mit einer Anthrazyklin/ Docetaxel-haltigen Chemotherapie behandelt werden. „In 75 Prozent der Fälle war bei einem solchen Vorgehen eine brusterhaltende Operation möglich“, betonte von Minckwitz. Konkret würde dies hochgerechnet auf Deutschland bedeuten, dass jährlich rund 3 000 Brustamputationen zu vermeiden wären, wenn alle Frauen nach diesem Schema behandelt würden.
In einer Folgestudie, der GEPARTRIO-Studie**, soll nach Aussage von Minckwitz’ nun der Stellenwert der Chemosensitivitätsprüfung vor der Operation weiter klinisch beurteilt werden. Konkret wird nach zwei präoperativen Chemotherapiezyklen das Ansprechen auf den Tumor geprüft und anschließend gegebenenfalls die Behandlung modifiziert. Die ersten Daten sind nach Angaben des Arztes hoffnungsvoll und deuten an, dass rund 75 Prozent der Tumoren auf die Behandlung ansprechen, sich also um mehr als die Hälfte zurückbilden.
Als Vorteile einer Teilnahme bei Therapiestudien für die Patientinnen nannte von Minckwitz die Tatsache, dass die Behandlung weniger zufallsgesteuert ist und dass in den Studien für eine hohe Behandlungsqualität gebürgt wird, und zwar unabhängig davon, in welchem Studienarm die Frau behandelt wird, denn sie erhält zwangsläufig Zugang zu den neuesten Therapieschemata.
Entscheidende Fortschritte sind beim Mammakarzinom nach Aussage von Dr. Nadia Harbeck (München) vor allem durch den Einsatz der Taxane erzielt worden. Nach ihren Worten deuten aktuelle Daten darauf hin, dass eine signifikante Verbesserung der Überlebenszeit erwirkt wird, wenn die Frauen bereits bei der Primärtherapie mit Anthrazyklin und einem Taxan behandelt werden.
So zeigt die erste Auswertung der internationalen BCIRG-001-Studie (Breast Cancer International Research Group) nach Aussage von Harbeck ein signifikant besseres, rezidivfreies Überleben bei den Frauen mit nodalpositivem Befund, die mit einem Taxan- und Anthrazyklin-haltigen Schema behandelt wurden, gegenüber denjenigen unter der FAC-Standard-Chemotherapie (5-FU, Doxorubicin, Cyclophosphamid). Durch die Optimierung der Therapieschemata könnten offenbar sechs bis acht Prozent mehr Frauen mit Brustkrebs als früher geheilt werden. Christine Vetter

Pressekonferenz „Beste Chancen auf Heilung bei Brustkrebs: Therapiestudien sichern den Fortschritt“ in Frankfurt/Main, unterstützt von Aventis Pharma
*GEPARDUO-Studie = German Preoperative Adriamycin Docetaxel Study,
2. Folgestudie
**GEPARTRIO-Studie = German Preoperative Adriamycin Docetaxel Study,
3. Folgestudie
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