ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2003ADHS-Syndrom: Bewährtes Stimulans mit neuer Galenik

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ADHS-Syndrom: Bewährtes Stimulans mit neuer Galenik

Dtsch Arztebl 2003; 100(11): A-723

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Die kombinierte Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zähle zu den häufigsten psychiatrischen Störungen bei Kindern, die eine hohe Komorbidität mit Angst, Tics sowie gestörtem Sozialverhalten aufweise, betonte Prof. Götz-Erik Trott (Aschaffenburg). Wie der Kinder- und Jugendpsychiater ausführte, sei die Therapie gekennzeichnet durch ein multimodales Konzept. Die besten Erfolge würden dabei mit einem lösungsorientierten Beratungskonzept und individuell angepasster Medikation mit Psychostimulanzien erreicht; eine intensive Verhaltenstherapie verbessere das Ergebnis, wenn gleichzeitig Verhaltensstörungen vorlägen.
Semipermeable Membran
Bei der medikamentösen Behandlung haben sich seit Jahrzehnten Psychostimulanzien bewährt; für Methylphenidat liegen inzwischen Daten aus 130 kontrollierten Studien vor. In nicht retardierter Form verabreicht, ist – bedingt durch die kurze Halbwertszeit – eine tägliche Mehrfachgabe notwendig, was bei Kindern im Alltag schwierig zu bewerkstelligen ist.
Auch die retardierte Form hat laut Trott Nachteile: Der Wirkeintritt ist verzögert, die Bioverfügbarkeit nahrungsabhängig, und die Wirkung der Formulierung deckt oft nicht den kompletten Tag ab. Eine neue Galenik, bei der Methylphenidat in einer Kapsel „verpackt“ wurde (Concerta®), verbessert diese Situation erheblich.
Die Hülle gibt innerhalb einer Stunde ein Fünftel des Methylphenidats frei, danach wird der Wirkstoff via Osmose durch eine semipermeable Membran freigesetzt. Mit dieser neuen Formulierung ist eine ausreichend lange, weitgehend nahrungsunabhängige und sichere Wirkung zu erzielen, wie eine Studie bei 277 Kindern im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren zeigte.
In verschiedenen „Settings“ und durch verschiedene Bewerter (Eltern Lehrer, Ärzte) wurde unter Methylphenidat (3x/die) und der neuen Zubereitungsform ein signifikant besseres Ergebnis dokumentiert als unter Placebo. Dies bestätigte sich laut Trott auch in einer offenen Langzeitstudie über ein Jahr mit 289 Kindern ähnlichen Alters.
Die Responderrate liegt zwischen 70 und 80 Prozent, als häufigste unerwünschte Wirkungen wurden dosisabhängig Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Appetitverlust und Bauchschmerz notiert, während Tics sich als dosisunabhängig erwiesen, so Trott. Eventuell erforderliche Dosissteigerungen im Verlauf der Betreuung seien nicht auf einen Gewöhnungseffekt zurückzuführen, sondern auf eine Optimierung der Therapie.
Die verbesserte Symptomkontrolle wird derzeit in einer offenen EU-Studie bei Sechs- bis 19-Jährigen geprüft; angelaufen ist auch eine Untersuchung bei Jugendlichen (13 bis 18 Jahre) mit Titrationsphase. Hier besteht das Problem, dass die Störung sich nicht „verwächst“, doch die Betroffenen setzten die Medikation nach der Pubertät ganz überwiegend aus persönlichen Gründen ab, wie Dr. Johanna Krause (Ottobrunn) feststellte. Dr. Renate Leinmüller

Einführungspressekonferenz „Fortschritt in der ADHS-Therapie – Symptomkontrolle über den ganzen Tag“ der Firma Janssen-Cilag in Frankfurt/Main
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