ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 1/20033-D-Ultraschall in der Kinderkardiologie

Supplement: Praxis Computer

3-D-Ultraschall in der Kinderkardiologie

Dtsch Arztebl 2003; 100(11): [17]

EB

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Das Computerbild zeigt ein detailgetreues dreidimensionales Bild des Säuglingsherzens, das etwa so groß wie ein Daumennagel ist. Es lässt sich mit der Maus drehen, sodass die sich öffnenden und schließenden Herzklappen erkennbar sind. Foto: Universität Bonn
Das Computerbild zeigt ein detailgetreues dreidimensionales Bild des Säuglingsherzens, das etwa so groß wie ein Daumennagel ist. Es lässt sich mit der Maus drehen, sodass die sich öffnenden und schließenden Herzklappen erkennbar sind. Foto: Universität Bonn
Acht von 1 000 Neugeborenen kommen mit einem Herzfehler zur Welt. Wird die Anomalie bereits vor der Geburt entdeckt und richtig behandelt, hat das Baby deutlich bessere Überlebenschancen. Das Risiko von Folgeschäden, beispielsweise durch Sauerstoffmangel oder schlechte Durchblutung der Organe, sinkt. Kinderkardiologen der Universität Bonn entwickeln daher eine Methode, mit der sie Herzschäden bereits im Frühstadium der Schwangerschaft besser erkennen können. Herkömmliche Geräte liefern zweidimensionale Schnittbilder, beispielsweise quer durch die Herzkammern. Wie die Kammern räumlich aussehen, ob sie kleiner sind als üblich oder sich vielleicht auf eine falsche Weise kontrahieren, müssen die Ärzte beurteilen, indem sie die Schnittbilder im Kopf zu einem dreidimensionalen Modell zusammensetzen. Das erfordert bereits bei einem unbewegten Organ ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und viel Erfahrung – umso mehr beim Herzen, das sich regelmäßig zusammenzieht und dann wieder mit Blut füllt. Ultraschallspezialisten können so mit mehr als achtzigprozentiger Sicherheit sagen, ob das ungeborene Kind unter einem Herzfehler leidet. Weniger erfahrene Mediziner kommen nur auf eine Trefferquote von 25 Prozent.
Die Kardiologen entwickeln gemeinsam mit der Klinik für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik der Universität Bonn und der Beratungsfirma med- Consult mittels der 3-D-Technologie der MedCom GmbH eine Methode, die dies erleichtern soll. Dazu müssen die Ärzte einen Ultraschallkopf am Bauch der Schwangeren ansetzen und so schwenken, dass er innerhalb von 20 Sekunden das komplette Herz des ungeborenen Kindes erfasst.
Dabei zeichnet das Gerät rund 1 000 Bilder auf. Gleichzeitig registriert es mit einem Spezialsensor den Pulsschlag des Fötus, sodass der Computer errechnen kann, welche Bilder zu welcher „Schlagphase“ gehören. Hat das Säuglingsherz sich während der Untersuchung beispielsweise 60-mal zusammengezogen und wieder entspannt, hat das Gerät während des Schwenks 60 Schnittbilder zum Zeitpunkt der vollen Kontraktion aufgenommen, die sämtlich von unterschiedlichen Regionen des Herzen stammen. Die Bildbearbeitungssoftware setzt aus den zweidimensionalen Ultraschallaufnahmen ein dreidimensionales Bild des kontrahierten Säuglingsherzens zusammen. Während des Schwenks gewinnt die Software dreidimensionale Bilder aus unterschiedlichen Phasen des Herzschlags — von der vollen Kontraktion bis zur Entspannung. Auf dem Bildschirm lässt sich die komplette Bewegung des Herzmuskels verfolgen. Die 3-D-Bilder lassen sich beliebig drehen, sodass sich der Chirurg sein Operationsfeld am Bildschirm genau ansehen und die Behandlung besser planen kann.
Einige Schwächen hat das System zurzeit noch: Die Messung des Pulsschlags mit dem Spezialsensor kann die Qualität der Aufnahmen verschlechtern, und der gleichmäßige Schwenk des Messkopfs muss geübt werden. Erst der klinische Test wird daher zeigen, ob die Methode der herkömmlichen Ultraschalldiagnostik überlegen ist. EB
Informationen: Dr. med. Ulrike Herberg, Zentrum für Kinderheilkunde der Universität Bonn, Telefon: 02 28/2 87 32 56,
E-Mail: ulrikeherberg@hotmail.com
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