ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2003Hausärzteverband: Rückendeckung für Regierungspläne

POLITIK

Hausärzteverband: Rückendeckung für Regierungspläne

Dtsch Arztebl 2003; 100(11): A-670 / B-572 / C-539

Blöß, Timo

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Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes: „Der Gesetzgeber hat den richtigen Weg eingeschlagen.“ Foto: Johannes Aevermann
Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes: „Der Gesetzgeber hat den richtigen Weg eingeschlagen.“ Foto: Johannes Aevermann
BDA sieht Ge­sund­heits­mi­nis­terin Schmidt auf dem richtigen Weg.
Der Deutsche Hausärzteverband (BDA) hat sich im Wesentlichen hinter die Reformpläne der Bundesregierung gestellt. Grundsätzlich begrüße der BDA die von Schmidt vorgebrachten Reformideen, erklärte Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow, Vorsitzender des Hausärzteverbandes, bei einer Pressekonferenz in Berlin.
Nach den bisher bekannt gewordenen Plänen des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums könnten die Hausärzte bei der anstehenden Reform des Gesundheitssystems zu den Gewinnern zählen. So sollen Hausärzte künftig als Lotsen im Gesundheitswesen fungieren. Vorgesehen ist eine Vergütung der Allgemeinmediziner über Kopfpauschalen. Wie aus einer „Rohfassung“ des Ministeriums für einen Gesetzentwurf hervorgeht, soll die Stellung des Hausarztes über ein Hausarztmodell gestärkt werden: Patienten, die an einem solchen Modell teilnehmen, könnten von den Zuzahlungen bei Arzneimitteln weitgehend befreit werden.
Mit der Entscheidung, den Hausarzt als „engsten Betreuer ins Zentrum“ der Versorgung zu stellen, habe der Gesetzgeber den „richtigen Weg“ eingeschlagen, erklärte BDA-Vorsitzender Kossow.
Auf Ablehnung bei den Hausärzten stößt dagegen die geplante Positivliste für Arzneimittel. Da Deutschland ein „Entwicklungsland in der Epidemiologie“ sei, fehlten wichtige Grundlagen, um die Auswirkungen der Positivliste in der Versorgung beurteilen zu können, erklärte Robert Festersen, Geschäftsführer des Hausärzteverbandes, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Zudem seien Wettbewerbsverzerrungen zu erwarten. „Sinnvoller und zielführender“ sei dagegen eine Negativliste. Wenig Zuspruch finden auch die Pläne, poliklinische Strukturen in der ambulanten Versorgung einzuführen. Der ambulante Sektor werde durch das „große Engagement der Freiberufler“ getragen. Deshalb sei ein Angestelltenverhältnis über Polikliniken nicht sachgemäß. „Mit der für das Funktionieren der ambulanten Versorgung notwendigen Selbstausbeutungsbereitschaft der freiberuflich tätigen Vertragsärzte kann dann nicht mehr gerechnet werden“, sagte Festersen.
Als „einen guten Einstieg“ in die Diskussion bezeichneten die Hausärzte auch die Reformvorschläge der Union. Begrüßt wird insbesondere deren Ansatz, die Patienten an den Behandlungskosten zu beteiligen. Durch eine Eigenbeteiligung, so hofft der Hausärzteverband, werde bei Patienten das Bewusstsein für wirtschaftliches Verhalten geschärft. Außerdem steige die Bereitschaft der Versicherten, an den Hausarztmodellen teilzunehmen. Die kostensenkende Lotsenfunktion des Hausarztes käme so zum Tragen. Auch der von der Union geforderten Etablierung größerer Wahlmöglichkeiten für die Versicherten steht der BDA positiv gegenüber. Dabei sollten die Versicherten aber auch Hausarzttarife wählen können.
Wegen der Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat rechnet Hausärzte-Chef Kossow frühestens ab Oktober mit einem abstimmungsreifen Gesetzentwurf. Der BDA-Präsident erwartet, dass die Ergebnisse der Rürup-Kommission großen Einfluss auf die Pläne der Regierung haben werden. Änderungen seien auch im Zuge der anstehenden Verhandlungen mit der Unions-Opposition zu erwarten. Timo Blöß
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