ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2003Ärztetag: Vom Aktivisten zum Querulanten

BRIEFE

Ärztetag: Vom Aktivisten zum Querulanten

Dtsch Arztebl 2003; 100(11): A-694 / B-593 / C-557

Schaefermeyer, Heinrich

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Im Januar 2003 wurden alle Ärzte und Ärztinnen in einer ganzseitigen Bekanntgabe im Deutschen Ärzteblatt (DÄ Heft 1–2/2003 vom 6. Januar 2003) von Prof. Hoppe zum außerordentlichen Ärztetag eingeladen.
Diese Gelegenheit wollten wir ergreifen, politisch aktiv zu werden, zu zeigen, dass die deutsche Ärzteschaft sich wehrt! Also Praxis dicht und ab nach Berlin, und nicht nur uns ging es so, sondern ca. 100 Kollegen ebenfalls. Doch als wir am Pariser Platz in Berlin ankamen, war es doch anders, als wir uns das vorgestellt hatten. Wir wurden am Sitzungssaal, der genau so bemessen war, dass gerade alle Delegierten Platz fanden, vorbei- geleitet und sechs Stockwerke höher in einen kleinen kalten Raum geführt, wo auf drei Videowänden mit schlechtem Ton und verzerrtem Bild das Geschehen von unten übertragen wurde. Waren wir zum Fernsehen eingeladen worden? Es machte sich Unmut breit. Wir gingen uns beschweren und schauten durch die Glaskuppel, die den Plenarsaal überdachte, auf „den Ärztetag“. Zuständig war keiner, aber uns da stehen lassen, wollte man auch nicht. Man forderte uns auf, sofort wieder in den Raum im sechsten Stock zu gehen. Als wir dazu nicht bereit waren, wurde uns angedroht, dass man uns hinauswerfen würde. Wir blieben! Nach einer Dreiviertelstunde wurde uns (ca. 20 Kollegen, die anderen waren genervt gegangen) erlaubt, im Foyer das Geschehen auf einer Videowand (mit Bild und Ton) zu verfolgen, dies jedoch mit der Maßgabe, die uns zugeteilten drei Stehtische nicht zu verlassen, da wir sonst des Hauses verwiesen würden.
Warum lädt man die Ärzteschaft ein, wenn doch klar ist, dass man sie nicht will? Uns war von vornherein bewusst, dass wir dort weder Sprach- noch Abstimmungsrechte hatten, aber wir dachten, dass eine große Präsenz auch ein politisches Zeichen wäre. So schnell wird man vom Aktivisten zum Querulanten. Also schnell wieder in die Praxis; „unsere Funktionäre“ werden es schon richten!?
Dr. med. Heinrich Schaefermeyer, Lüneburger Straße 36, 28203 Bremen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige