ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2003Ärztetag: Unverständnis

BRIEFE

Ärztetag: Unverständnis

Dtsch Arztebl 2003; 100(11): A-694 / B-593 / C-557

Bach, H.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zum x-ten Mal – aktuell in der Resolution des außerordentlichen Deutschen Ärztetages 2003 – lese ich, dass „Krankenhausärzte, über das heutige Maß hinaus, personenbezogen in hoch spezialisierte ambulante Versorgung einbezogen werden sollten“. Der Konjunktiv wird den niedergelassenen Arzt beruhigen. Als angestellter Nuklearmediziner am Krankenhaus gehöre ich zur anderen Fraktion. Ich habe „die notwendige Zeit, um auf den einzelnen Patienten eingehen zu können“. Auch dürfte meine fachliche Qualifikation (drei Fachärzte, habilitiert) ausreichend sein. Trotzdem muss ich anfragende Patienten an die beiden niedergelassenen Nuklearmediziner am Ort (ca. 70 000 Einwohner) verweisen. Wochen- bis monatelange ambulante Wartezeiten bis zum Untersuchungstermin bei differenzierter Behandlungsweise von Privat- und Kassenpatienten sind nicht mehr erwähnenswert, da allgemein bekannt.
Wie weiter in der Resolution des Ärztetages zu lesen ist, bedeute „Zerschlagung der fachärztlichen Struktur“ für den Patienten zukünftig ein „Anstellen im Krankenhaus, um eine fachärztliche Behandlung zu erlangen“. Ich sehe diese seitens der Regierung erwogene „Ausdünnung“ eher positiv. Zu viele, über viele Jahre „konservierte“ Patienten sind mir vor der stationären Radiojodtherapie begegnet. Eigentlich ist auch diesbezüglich jeder Gedanke überflüssig – zum Jahresende 2002 wurde unsere 100%ig ausgelastete Radiojodtherapiestation nach ministerieller Entscheidung geschlossen.
Ein weniger radikaler Reformkurs im Sinne des Patienten wäre natürlich die bedarfsbezogene Mitarbeit der Krankenhausärzte im ambulanten Sektor auf Ermächtigungsbasis. Solange aber der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Anträge dieser Art nach Befragung der niedergelassenen Ärzte (deren Antwort logischerweise „kein Bedarf“ ist) ablehnt, wird sich an der Versorgung der kranken Menschen nichts ändern. Machen sich die Mitglieder von Zulassungsausschüssen die Mühe der Vor-Ort-Information über Wartezeiten bzw. Terminvergaben? Was ist der Grund für die ablehnende Haltung der niedergelassenen Kollegen (in meinem Fall Nuklearmediziner) mit brechend vollen Wartezimmern? Von den beiden Möglichkeiten „finanzielle Not“ und „Geldgier“ halte ich Letztere für wahrscheinlicher.
Da ich zum 1. April 2003 mein Rentnerleben beginne, rede ich nicht in die eigene Tasche. Seit 1965 ärztlich unterschiedlichst tätig, unterbrochen von drei Monaten Arbeitslosigkeit, verfolge ich die Entwicklung der Gesundheitspolitik mit großem Interesse und Unverständnis bis Entsetzen.
Dr. sc. med. H. Bach, Städtisches Klinikum Brandenburg, Hochstraße 29, 14770 Brandenburg an der Havel
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige