ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2003Akutes Koronares Syndrom: Antibiotikagabe erneut wertlos

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Akutes Koronares Syndrom: Antibiotikagabe erneut wertlos

Dtsch Arztebl 2003; 100(12): A-737 / B-629 / C-589

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die kurzfristige Behandlung mit dem Antibiotikum Azithromycin kann ein Rezidiv eines Akuten Koronaren Syndroms (ACS: Herzinfarkt oder instabile Angina pectoris) nicht verhindern. Dies zeigt die „Azithromycin in Acute Coronary Syndrome (AZACS)“-Studie im Lancet (2003; 361: 809-813). Damit ist die so genannte Infektionshypothese der Atherosklerose ein weiteres Mal gescheitert. Die Therapie gründet sich auf den Nachweis von Chlamydia pneumoniae in atherosklerotischen Läsionen. Die Assoziation mit der Erkrankung könnte darauf hindeuten, dass der Erreger an der Pathogenese der Atherosklerose beteiligt ist. Wenn das so wäre, dann müsste eine Antibiotikabehandlung die Erkrankung verhindern. Ein Einsatz bei der ACS bietet sich an, da hier das Rezidivrisiko mit zwölf bis 20 Prozent innerhalb von sechs Monaten besonders hoch ist.

An der multinationalen Studie nahmen 1 439 ACS-Patienten teil. Sie erhielten am ersten Tag des Klinikaufenthaltes zusätzlich zur konventionellen Behandlung Placebo oder das Makrolid-Antibiotikum Azithromycin (500 mg am ersten Tag und danach 250 mg täglich über vier Tage). Primärer Endpunkt war ein Composite aus Tod oder ACS-Rezidiv (Reinfarkt oder die Notwendigkeit zur Revaskularisierung). Nach einer Beobachtungszeit von sechs Monaten hatte sich folgendes Ergebnis abgezeichnet: Im Azithromycin-Ast starben drei Prozent der Patienten, im Placebo-Ast vier Prozent. Unter Azithromycin-Therapie entwickelten zwei Prozent einen Herzinfarkt, unter Placebo waren es drei Prozent. Eine Revaskularisierung war bei neun Prozent im Azithromycin-Ast und bei acht Prozent im Placebo-Ast notwendig. Damit erreichten insgesamt 14 Prozent im Azithromycin-Ast und 15 Prozent im Placebo-Ast den Endpunkt. Der Unterschied war nicht signifikant (p = 0,664). Auch beim sekundären Endpunkt (Ischämie oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz) gab es keinen signifikanten Unterschied.

Die Autoren um Bojan Cercek vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles schreiben, dass mehr als 10 000 Patienten an einer Studie teilnehmen müssten, um in diesem Bereich eine statistische Signifikanz zu erreichen. Eine solche Studie ist nicht in Sicht. Derzeit läuft noch eine Studie mit Azithromycin und mit Gatifloxacin. Wenn auch diese Studien kein positives Ergebnis bringen, dürfte sich die Forschung langsam von der Infektionshypothese verabschieden. Rüdiger Meyer
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