ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2003Fachärztliche Berufsverbände: Lockmittel Einzelverträge

POLITIK

Fachärztliche Berufsverbände: Lockmittel Einzelverträge

Dtsch Arztebl 2003; 100(12): A-742 / B-632 / C-592

Rieser, Sabine

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Mit Plakatmotiven wie diesem macht die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) auf ihre Sorgen aufmerksam. In der GFB haben sich 29 Einzelverbände zusammengeschlossen. Sie repräsentiert nach eigenen Angaben rund 100 000 Ärztinnen und Ärzte. © Skylinesolutions, Jo Klappenbach und Susanne Kühn, 2003
Mit Plakatmotiven wie diesem macht die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) auf ihre Sorgen aufmerksam. In der GFB haben sich 29 Einzelverbände zusammengeschlossen. Sie repräsentiert nach eigenen Angaben rund 100 000 Ärztinnen und Ärzte. © Skylinesolutions, Jo Klappenbach und Susanne Kühn, 2003
Die Zukunft erscheint vielen Fachärzten unsicher – das macht sie empfänglich für Angebote, die sie eigentlich kritisieren.

Einige niedergelassene Fachärzte werden Einzelverträge mit den Krankenkassen abschließen, wenn sie ihnen angeboten werden – trotz aller Skepsis. Diese Auffassung hat Dr. med. Jörg-Andreas Rüggeberg, Präsident der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB), in der vergangenen Woche in Berlin vertreten. „Der ein oder andere wird sich damit durchhangeln“, vermutet Rüggeberg, der zum Entwurf des Gesundheitssystemmodernisierungsgesetzes Stellung nahm. Er geht davon aus, dass die Krankenkassen Ärztinnen und Ärzte zunächst mit guten Angeboten locken würden. Nach Abschluss eines Einzelvertrags gebe es allerdings kein Zurück in den Kollektivvertrag mehr: „Das wissen die Ärzte – aber trotzdem werden sie es machen.“
Um den niedergelassenen „Einzelkämpfern“ in Zukunft dennoch eine gewisse Verhandlungsmacht zu verschaffen, wird hinter den Kulissen der fachärztlichen Verbände offenbar stärker an genossenschaftlichen Strukturen gezimmert als zuvor. Organisationen à la Medi-Verbund könnten in Zukunft mit den Krankenkassen verhandeln, falls dies nicht mehr Aufgabe von Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) wäre. Davon geht Rüggeberg angesichts des Gesetzentwurfs aus: „Die Tage der KVen in ihrer derzeitigen Struktur dürften gezählt sein.“
Scharfe Kritik äußerte er zudem an der geplanten Abschaffung der freien Facharztpraxis. Dieses Ziel verfolgten „Regierung, Kassen, Gewerkschaften, aber auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Hausarztverband direkt oder indirekt“. Es stehe im direkten Kontrast zum Wunsch der Betroffenen, denn die Mehrzahl der Bürger halte den unmittelbaren Zugang zum niedergelassenen Facharzt für unverzichtbar.
Den Wünschen der Bevölkerung steht man in der GFB gleichwohl nicht unkritisch gegenüber. „Solange die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen ohne jede persönliche Konsequenz befriedigt wird, werden alle Eingriffe in das System, und seien sie noch so dirigistisch, ins Leere laufen“, betonte Rüggeberg. Der GFB-Präsident bezeichnete eine „Eintrittsgebühr“ pro Praxisbesuch als eine Möglichkeit der Regulierung. Infrage kämen jedoch auch andere Instrumente.
Keine Fehler aufseiten der Ärzteschaft? Rüggeberg räumte ein, das Gesundheitssystem habe Schwächen. Dass aber beispielsweise die Versorgungsebenen so schlecht verzahnt seien, sei eine Folge strenger sektoraler Budgets. Die zukünftige Vernetzung von Strukturen befürwortet die GFB, allerdings nur, wenn die Freiberuflichkeit der Niedergelassenen gewährleistet sei wie zum Beispiel in Ärztehäusern. Gesundheitszentren mit angestellten Ärzten lehnt die GFB dagegen ab. Dass sie für junge Ärztinnen und Ärzte eine Alternative sein könnten, schloss Rüggeberg nicht aus: „Sicher gibt es einige, die es vorziehen, im Angestelltenverhältnis zu arbeiten“, sagte er. Wie viele – das weiß keiner. Sabine Rieser
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