ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2003Gesundheitsziele: Kompass für die Politik

POLITIK

Gesundheitsziele: Kompass für die Politik

Dtsch Arztebl 2003; 100(12): A-746

Blöß, Timo

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LNSLNS Experten werben für die Umsetzung.

Bei der Auseinandersetzung um Krankenkassendefizite und steigende Lohnnebenkosten bestimmen vorwiegend ökonomische Überlegungen die gesundheitspolitische Reformdebatte. Dabei scheint eine zentrale Frage immer noch unbeantwortet: An welchen langfristigen Zielen soll sich die Gesundheitspolitik orientieren? Erste Antworten liefert nun ein Bericht von Experten aus dem Gesundheitswesen und der Politik, der an Gesundheits- und Sozialministerin Ulla Schmidt übergeben wurde. Repräsentanten der Initiative „gesundheitsziele.de“ erklärten bei der Vorstellung der Ergebnisse Mitte Februar in Berlin, dass durch konkrete gesundheitspolitische Zielsetzungen die Gesundheitsversorgung qualitätssicher und effizienter gestaltet werden könne.
Annähernd 200 Sachverständige arbeiteten seit Dezember 2000 an den gemeinsamen Zielvorstellungen. Entstanden ist das Forum auf Initiative des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG). Beteiligt waren auch Vertreter der Krankenkassen und der Ärzteschaft. Dr. jur. Rainer Hess, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, wies darauf hin, dass andere europäische Länder sich bereits an flächendeckend definierten Gesundheitszielen orientierten. Hess: „Nun entdeckt auch Deutschland den Nutzen von Gesundheitszielen.“ In dem Bericht werden in verschiedenen Untersuchungsbereichen Ziele bestimmt. So schlagen die Experten zur Bekämpfung des Diabetes vor, die Prävention systematisch zu verbessern. Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel sollen durch Aufklärung der Bevölkerung reduziert werden. Weiter wird angeregt, die Früherkennungsmaßnahmen auszuweiten, um Komplikationen und Folgeschäden rechtzeitig zu verhindern.
Schmidt: Politik bestätigt
Von April an, so Dr. phil. Sybille Angele, Geschäftsführerin der GVG, werde man an Institutionen des Gesundheitswesens herantreten, um für die Umsetzung konkreter Maßnahmen die Werbetrommel zu rühren. Ende des Jahres sollen erste Zusagen präsentiert werden. Geplant ist zunächst ein Diabetes-Mobil, mit dem die Primär- und die Sekundärprävention der Zuckerkrankheit verbessert werden soll. Mit diesem könne dann „öffentlichkeitswirksam“ eine Aufklärungskampagne gefahren und Patienten auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel getestet werden, sagt Dr. Gerhard Brenner. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Diabetes“ und Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Dafür solle pro Kassenärztlicher Vereinigung mindestens ein Fahrzeug zur Verfügung stehen.
Ulla Schmidt sieht ihre gesundheitspolitische Linie durch den Bericht bestätigt. Neben der in der Gesundheitsreform 2003 angestrebten „Qualitäts- und Effizienzoffensive“ werde gleichzeitig auch die Arbeit des deutschen Forums Prävention und Gesund­heits­förder­ung unterstützt. Timo Blöß
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