ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2003Ökonomie: Überzeugungsarbeit an der Basis leisten

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Ökonomie: Überzeugungsarbeit an der Basis leisten

Dtsch Arztebl 2003; 100(12): A-763 / B-649 / C-609

Hilbert, Jens

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LNSLNS Trotz aller kritischen Zurückhaltung gegenüber den Thesen von Lauterbach und Co. darf man nicht ignorieren, dass sich doch einige wahre Gedanken in ihnen finden. Es ist nun einmal unbestreitbar, dass die momentane und sehr komfortable medizinische Versorgung unserer Bevölkerung nicht mehr bezahlbar ist, wenn man auch zukünftig von der derzeitigen, also dürftigen Einnahmesituation der GKV ausgeht. Also wird es notwendigerweise die von Lauterbach angesprochene Rationierung geben müssen.
Hier jedoch beginnt der interessante, eigentlich visionäre Teil der Überlegungen. Die Krankenkassen können in Zukunft nur noch die Basisversorgung sicherstellen, d. h. die Behandlung bei schweren Erkrankungen. Was darüber hinausgeht, muss endlich in den Verantwortungsbereich der Patienten selbst gelangen. Geeignete Beispiele hierfür sind Heil- und Hilfsmittel, die Kosten bei privaten Unfällen, aber auch Krankengeldzahlung.
So wie jeder sich Gedanken macht über die Versicherung seines Autos oder seines Hauses, so muss es zukünftig selbstverständlich sein, auch die Versorgung im Krankheitsfalle eigenverantwortlich zu regeln. Pläne für die Umsetzung dieses Konzepts liegen in den Schubladen der Versicherungsgesellschaften schon lange bereit.
Natürlich können es nicht die 70- oder 80-Jährigen sein, denen man diese Neuerung noch zumutet. Aber die jüngeren Generationen müssen diese zwingend notwendigen Reformen in der GKV akzeptieren. Und wir Ärzte sind es, die statt des üblichen Lamentierens Überzeugungsarbeit an der Basis, also bei den Patienten, leisten müssen. Fehlen nur noch die Politiker, die den Mut aufbringen, endlich das Notwendige auszusprechen und umzusetzen.
Dr. Jens Hilbert, Scheffelstraße 1, 74909 Meckesheim
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