BRIEFE

Arztleistung: Misere

Dtsch Arztebl 2003; 100(12): A-767 / B-650 / C-610

Voigt, H.

Zu der von der AOK bemängelten Leistungsausweitung seit 1990 um 50 Prozent:
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LNSLNS Das ist ja die Misere, denn es wurden keine 50 % zusätzlich vergütet für die geforderten Leistungen. Aber mehr Arztleistung ist personal- und raumabhängig, sodass eine Qualität nur bei Anpassung erhalten bleibt. Kann ich keine Überstunden zahlen, kann ich keine machen. Das hat für Patienten Konsequenzen. Der Arzt erhält kein Einkommen, sondern Praxisumsatz. Er hat einen Betrieb zu unterhalten und ist finanziell auch seinem Personal verantwortlich – von Familie und Banken abgesehen.
Gestiegene Einwohnerzahlen ohne unbedingt gestiegene zahlende Mitgliederzahlen, höhere Ansprüche durch Aufklärung und neue Methoden, juristische Absicherung wegen erhöhter Klagefreude, neue Krankheitsbilder wie Aids und Hepatitis haben natürlich die Anforderungen von Patienten an das System erhöht, was sich in mehr ärztlicher Leistung zeigt. Statt es zu begrüßen, wenn Patienten gesundheitsbewusster sind, und Kranke zu unterstützen, wertet man das als unnötigen Mehraufwand ab. Wer möchte bei Herzschmerzen keine Koronarangiographie? Wer möchte nicht angesichts der Ängste, die durch Medien noch verstärkt werden, genau wissen, was seine Beschwerden bedeuten? Wieso haben sich in zehn Jahren die psychisch Kranken vervierfacht? Sollte man nicht einfach über mehr Fürsorge, Glaube und Menschlichkeit nachdenken, als die zu verteufeln, die versuchen, die Nöte, auch neue Nöte, der Menschen zu lindern?
Nebenbei: Wer hat denn die unkontrollierbare Rundreise Chipkarte erfunden, die auch für unnötige Leistungsforderungen eingesetzt werden kann? Gottlob sind die meisten Menschen wohlerzogen und ehrlich, sodass der Missbrauch gering bleibt.
Ulla Schmidt fordert Qualitätsnormen, was beweist, dass sie keine Vorstellung ärztlichen Handelns hat, sonst würde sie so nicht reden. Wir produzieren nicht einen Artikel, wir beraten. Was der Patient mit diesem Rat macht, liegt in seiner Hand. Nur bei einem handwerklich tätigen Arzt kann man objektiv urteilen. Wir sind nicht perfekt, aber können Patienten nicht selbst entscheiden, wo es ihnen besser geht oder nicht? Hält man die Menschen für so blöd, dass sie einen Katalog benötigen, wo sie hingehen können. Angesichts des bevorstehenden Ärztemangels ohnehin illusorisch. In Thüringen wären die Leute über jeden Arzt froh, der in ihre Nähe käme. Wir haben eine Ausbildung und Berufsordnung. Wir haben Politiker. Hier gibt es noch nicht einmal eine Empfehlung über Umgangsformen, geschweige denn Wissen oder Bildung!
Dr. med. H. Voigt, Philipp-Fauth-Straße 1 a, 67098 Bad Dürkheim
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