ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2003Trauer im Humanistischen Dialog

BÜCHER

Trauer im Humanistischen Dialog

Dtsch Arztebl 2003; 100(12): A-770 / B-652 / C-612

Schaeben, Ulrike

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LNSLNS Altertumskunde
Fundierte Deutung
Ulrike Schaeben: Trauer im Humanistischen Dialog. Das Trostgespräch des Giannozzo Manetti und seine Quellen. Beiträge zur Altertumskunde, Band 181, K. G. Saur Verlag, München, 2002, VII, 441 Seiten, gebunden, 88 €
Trauer um einen Verstorbenen ist dem Menschen grundgelegt. Seine Gedanken hierzu niederzuschreiben ist Tradition seit der Antike; der Autor sucht darin seinen Trost. Von dem Römer Cicero weiß man, dass er eine „consolatio“ über den Tod seiner Tochter Tullia geschrieben hat; der spätantike Autor Boethius etwa ist mit seiner Schrift „de consolatione philosophiae“ in diese Tradition beispielhaft einzureihen. Auch sind viele Bezüge auf antike und sonstige zeitlose Dokumentationen zu finden.
Das Manettische „Trostgespräch“, niedergelegt als „Dialogus consolatorius“ Ende des 15. Jahrhunderts, stellt sich dieser Tradition und bereichert sie. Bekannt ist es allerdings wohl nur Insidern.
Die Autorin hat sich im Rahmen einer Dissertation eine aufopferungsvolle Aufgabe gestellt: Mit Akribie und Scharfsinn gelingt ihr eine umfangreiche Kommentierung, die in fundierter Deutung und Verknüpfung überzeugt. Die gründliche wissenschaftliche Forschung ist in einer stupenden und erschöpfenden Menge von Querverweisen und Bezügen auf die allfällige Literatur um das Thema nachgewiesen. Für den Leser besonders wertvoll ist die im Anhang beigefügte Übersetzung des Manetti-Textes (101 Seiten, die man natürlich zuerst lesen sollte) und der Anhangsteil „Aktualität des Dialogs“.
Das Buch ist trotz seines ursprünglich rein akademischen Vorsatzes auch für den allgemein geisteswissenschaftlich Interessierten lesenswert; eine „eklektische Auswahl“ (so die Autorin zu Manettis Verfahren mit seinen Vorgängern) kann der Lektüre nicht schaden. Rudolf Clade
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