ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1996Häusliches Arbeitszimmer: Einspruch möglich

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Häusliches Arbeitszimmer: Einspruch möglich

Buner, Wiebke

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LNSLNSLNSLNS Arbeitnehmer bekommen seit Beginn des Jahres 1996 Aufwendungen für ihr "häusliches Arbeitszimmer" nicht mehr anerkannt. Denn der Steuergesetzgeber hat die Nutzer derartiger Stuben in drei Klassen eingeteilt:
1 Die erste und größte Gruppe kann seither nichts mehr abziehen, weil bei ihr die berufliche Nutzung des Zimmers unter 50 Prozent liegt und zudem ein Arbeitsplatz am Betriebssitz zur Verfügung steht.
1 Die zweite Gruppe (überwiegend Lehrer und Richter), bei der der Nutzungsanteil über 50 Prozent liegt, kann immerhin noch bis zu 2 400 DM im Jahr vom steuerpflichtigen Einkommen abziehen.
1 Allein die dritte Gruppe, die "Heimarbeiter" (Freiberufler zum Beispiel), kann weiterhin sämtliche Aufwendungen steuerlich geltend machen, weil bei ihr das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet.
Warum wird gerade beim häuslichen Arbeitszimmer so drastisch gespart? fragte sich ein Arbeitnehmer aus der Pfalz. Er beantragte beim Finanzamt die Eintragung eines Freibetrags auf seiner Lohnsteuerkarte für sein Arbeitszimmer. Vergeblich. Er legte Einspruch und dann Klage ein, konnte aber bislang noch keinen Erfolg verbuchen. Das Finanzgericht Neustadt hat einen Verfassungsverstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes (Artikel 3) nicht erkannt. Die Richter sahen die vom Gesetzgeber vorgenommene "typische Regelung" durchaus als zulässig an, selbst wenn darunter der einzelne zu leiden habe. Steuervereinfachung sei nicht zum Nulltarif erhältlich. (Az.: 1 K 1254/96)
Die Richter haben die Revision aber wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Frage zugelassen. Der Bundesfinanzhof wird also in zweiter Instanz die Argumente abwägen müssen. Vielleicht bleibt die Frage aber sogar noch so lange offen, bis das Bundesverfassungsgericht sie entscheidet. Bis dahin wird noch einige Zeit ins Land gehen. Betroffenen Steuerzahlern, die später nicht leer ausgehen wollen, bleibt kein anderer Weg, als nach wie vor die entsprechenden Belege zu sammeln und ihre Kosten in der Steuererklärung anzusetzen. Bei einer (zu erwartenden) negativen Entscheidung des Finanzamts müßte dann Einspruch eingelegt und so der Steuerfall "offengehalten" werden. Aktenzeichen beim Bundesfinanzhof: VI R 47/96. WB
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