ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2003Krankenhäuser: Angebote an die Ärzte

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Krankenhäuser: Angebote an die Ärzte

Dtsch Arztebl 2003; 100(12): A-804 / B-680 / C-636

Flintrop, Jens

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LNSLNS Die Krankenhäuser haben zunehmend Probleme, offene Stellen im Ärztlichen Dienst zu besetzen. Dies belegt das aktuelle „Krankenhaus-Barometer“ vom Herbst 2002. An der Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts beteiligten sich rund 40 Prozent der 2 239 deutschen Krankenhäuser.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Ärztemangel noch einmal verschärft: 49 Prozent der Krankenhäuser können offene Stellen nicht besetzen. Dies betraf 43 Prozent der Kliniken in den alten Bundesländern. Dramatisch ist die Situation in neuen Bundesländern: 80 Prozent melden hier Vakanzen.
Die 350 Krankenhäuser der Stichprobe meldeten insgesamt 827 nicht besetzte Stellen im Ärztlichen Dienst. Hochgerechnet auf alle Krankenhäuser, werden 3 163 Ärztinnen und Ärzte gesucht. Demnach fehlen 853 Chirurgen, 937 Internisten, 194 Gynäkologen und 535 Anästhesisten. Nicht berücksichtigt sind hierbei die Stellen für Ärzte im Praktikum. 42 Prozent der Krankenhäuser können offenen Stellen für diese Gruppe nicht besetzen. Bundesweit fehlen demnach mehr als 1 600 Ärzte im Praktikum.
Um die Ärzte auf die offenen Stellen aufmerksam zu machen, greifen die Einrichtungen auf verschiedene Strategien zurück: Sie geben Anzeigen in Fachzeitschriften auf (81 Prozent der Krankenhäuser), veröffentlichen die Anzeigen auf der Homepage des Krankenhauses (61 Prozent), nutzen persönliche Kontakte (59 Prozent) oder stellen die Anzeigen in Internetbörsen ein (44 Prozent).
Welche Anreize bieten die Krankenhäuser, um die Ärzte nach gewecktem Interesse als Mitarbeiter zu gewinnen? Die insbesondere für Ärztinnen attraktive Möglichkeit, in Teilzeit angestellt zu werden, bieten 55 Prozent der Krankenhäuser an. Mit besonderen Fort- und Weiterbildungskonzepten wollen 40 Prozent der Kliniken die ärztlichen Bewerber überzeugen. Soziale Leistungen, wie Wohnraum oder Kindergarten, werden von einem Drittel der Krankenhäuser angeboten. Mehr als ein Viertel der Krankenhäuser lockt die Ärzte mit innovativen Arbeitszeitmodellen. Nur sieben Prozent bieten eine übertarifliche Bezahlung. Dies würden die budgetierten Haushalte der meisten Krankenhäuser auch nicht zulassen. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Krankenhäuser bewertet ihre wirtschaftliche Situation als „unbefriedigend“ (Vorjahr: 31 Prozent). Auch für das laufende Jahr sind viele Häuser pessimistisch: 68 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre wirtschaftliche Situation eher noch verschlechtern wird.
Bessere Rahmenbedingungen statt höherer Bezahlung – vielen jungen Ärzten ist diese Entwicklung offenbar recht. Umfragen belegen, dass die nachrückende Ärztegeneration bereit ist, auf Einkommen zu verzichten, wenn die Arbeitsbedingungen ein (Familien-)Leben außerhalb der Klinik zulassen. Jens Flintrop
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