VARIA: Schlusspunkt

Einer gegen viele

Dtsch Arztebl 2003; 100(12): [76]

Pfleger, Helmut

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Einem der Großen einmal leibhaftig am Brett gegenüberzusitzen ist für viele Anhänger des Königlichen Spiels ein unvergessliches Erlebnis, mögen sie auch selbst in anderen Bereichen Hervorragendes leisten.
So war es mit dem Bundes-präsidenten a. D. Richard von Weizsäcker, als er einer von Efim Bogoljubows Simultangegnern war, jenem Bogoljubow, der mit Aljechin um die Weltmeisterschaft spielte und in aller Bescheidenheit von sich sagen konnte: „Mit Weiß gewinne ich, weil ich Weiß habe, mit Schwarz, weil ich Bogoljubow bin!“
So war es mit dem weltberühmten klassischen Gitarristen Narciso Yepes, als er im Escorial bei Madrid gegen den großen Viktor Kortschnoi ein Remis erreichte und überglücklich dem völlig verblüfften Kortschnoi um den Hals fiel – das war für ihn wichtiger als sein gefeiertes Konzert am Vorabend.
Natürlich haben Simultanvorstellungen für die Meister nicht die gleiche Bedeutung wie wichtige Turnierpartien, dennoch nehmen sie sie durchaus ernst und wollen ein möglichst gutes Ergebnis erreichen. So stürzt sich ein Garry Kasparow mit Ingrimm auf alle, die ihn herauszufordern wagen; er will nicht nur gewinnen, er will seine Gegner zermalmen. Ich erinnere mich eines Simultans anlässlich der CeBIT in Hannover, als er wie der Wolf unter die Herde von Ephraim Kishon, Petra Schürmann, Dr. Hans-Olaf Henkel etc. fuhr und zum Schluss doch wütend auf mich war, weil ich als Verantwortlicher ihn nicht vor einem starken Gegner gewarnt hatte, der ihn besiegte.
In diesem unbedingten Siegeswillen trifft er sich mit Bobby Fischer, der allerdings vor Urzeiten noch zu Anwandlungen von Humor fähig war. Bei einem Simultan in Madrid gewann er die Dame eines seiner Gegner, fand sie aber während der nächsten Runde wieder auf dem Brett vor. Er sagte nichts, sondern eroberte sie nach sieben Zügen noch einmal, steckte sie aber diesmal in seine Hosentasche.
Beim letztjährigen Ärztesimultan hätte Großmeister Wolfgang Uhlmann vermutlich nur allzu gerne die Dame von Dr. med. Jens-Frieder Mükke, die bedrohlich in sein Lager eingedrungen war, in seiner Hosentasche verschwinden lassen, doch wäre dies – um mit Vlastimil Hort zu sprechen – „gägn die Rägel“ gewesen.
Sehen Sie, wie Dr. Mükke als Schwarzer trotz zitternder Hand hier den Dresdner Großmeister mit einem feinen Angriffszug in unüberwindbare Schwierigkeiten stürzte und danach sagen konnte: „Ich habe wenigstens einmal wie Uhlmann gespielt.“ Doch warum so bescheiden? Besser!

Lösung:
Nach der Springerattacke 1. ... Sg3! war Uhlmann verloren, weil auf 2. Le2 das hübsche Springereckmatt 2. ...Sh1 entschiede. Er versuchte noch 2. Sxe4, musste sich aber nach 2. ...Dxf1+ 3. Ke3 De1+ 4. Kd3 Dxe4+ 5. Kc3 Se2+ 6. Kb3 Sc1+ 7. Ka3 Db1 geschlagen geben.
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